Schlagwort: Bundesregierung

  • Kopfschmerzen – die lange vernachlässigte Volkskrankheit

    Kopfschmerzen – die lange vernachlässigte Volkskrankheit

    Keine andere Krankheit ist so weit verbreitet und kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie Kopfschmerzen. Es gibt 367 Arten von Schmerzen, die den Kopf betreffen und lange Zeit wurde das Leiden, das so viele Menschen quält, sowohl von den Ärzten als auch von den Wissenschaftlern vernachlässigt. Erst jetzt gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen und neue Behandlungsmethoden, die eine Besserung versprechen, aber nicht immer wird das Angebot von denjenigen auch wirklich angenommen, die unter ständigen Schmerzen im Kopf klagen.

    Therapieplätze und Ambulanzen gegen Kopfschmerzen

    Immer mehr Kliniken nehmen heute die Patienten ernst, die über Kopfschmerzen klagen und richten entsprechende Ambulanzen und Therapiezentren ein. So zum Beispiel auch die Charité in Berlin, in der es eine Kopfschmerzambulanz gibt, in der einen Psychologen und Schmerztherapeuten als Ansprechpartner für Patienten mit starken Schmerzen gibt. Das Zentrum in der Berliner Charité bietet neben einer Ambulanz auch eine fünftägige Therapie mit Entspannungsübungen, zudem können Kopfschmerzpatienten dort auch den richtigen Umgang mit Medikamenten lernen. Aufgenommen werden allerdings nur acht Patienten im Monat und nur eine Krankenkasse, die AOK, bezahlt die Therapie. Alle anderen Kassen sehen keine Veranlassung, die Kosten zu übernehmen, denn es handelt sich schließlich „nur“ um Kopfschmerzen.

    Die Krankheit, die verharmlost wird

    Im Zusammenhang mit Kopfschmerzen ist immer das Wörtchen nur zu hören, denn auch wenn die Schmerzen stark sind und die Betroffenen sehr darunter leiden, werden sie selten ernst genommen. Dabei leiden 70 % der Deutschen (54 Millionen) unter nervenden Kopfschmerzen. Die Hälfte der Betroffenen klagt dabei über Spannungsschmerzen, nur in acht Prozent aller Fälle stecken ernsthafte Erkrankungen dahinter. Alarmierend ist die Zahl von 44 % der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17, die davon betroffen sind, und diese Zahl steigt noch kontinuierlich an. Heute werden schon kleine Kinder behandelt, weil sie regelmäßig über Schmerzen im Kopf klagen. Trotzdem bekommen diese Kinder von den Eltern, aber auch von den Lehrern, Erziehern und Ärzten viel zu oft den Satz, zu hören: Stell dich nicht so an, es sind nur Kopfschmerzen.

    Migräne – die ganz besonderen Kopfschmerzen

    Eine besondere schmerzhafte Form von Kopfschmerz ist die Migräne. Rund 100.000 Menschen in Deutschland werden tagtäglich von einer so heftigen Migräne attackiert, dass sie nicht zur Arbeit gehen können. Neben den hämmernden, bohrenden und ziehenden Schmerzen im Kopf gesellen sich bei einer Migräne noch Erbrechen, Schwindelanfälle, Übelkeit und Sehstörungen dazu, was die Qualen um ein Vielfaches verstärkt. 22 % der Männer und 32 % der Frauen sind von Migräne betroffen, besonders heftig treten die Attacken an den Wochenenden auf. In den Apotheken klingeln die Kassen, denn pro Jahr nehmen die Deutschen mehr als drei Milliarden Tabletten gegen ihre Migräne oder den Kopfschmerz. Rund 85 % nehmen nach eigenen Angaben sogar täglich ein Medikament ein, um die Schmerzen zu lindern.

    Die neue Volkskrankheit

    Es gibt eine Reihe von Volkskrankheiten, aber keine trifft so viele Menschen und kommt so häufig vor wie Kopfschmerzen. Trotzdem spielen die 367 verschiedenen Kopfschmerzarten nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle. Wie unbedeutend die Schmerzen im Kopf aus der Sicht der Wissenschaft sind, das beweist auch der Bericht zur „Gesundheit der Deutschen“, den das Robert-Koch-Institut jedes Jahr der Bundesregierung vorlegt. In diesem 500 Seiten umfassenden Bericht kommen die Migräne und der Kopfschmerz im Allgemeinen überhaupt nicht vor. Schuld daran ist die Tatsache, dass Schmerzen im Kopf in all ihrer Vielfalt nicht als eine eigenständige Krankheit anerkannt werden, denn wenn sie das wären, dann würde zumindest der Versuch unternommen, sie in den Griff zu bekommen. Jedoch sind auch Fortschritte erzielt worden, denn es gibt heute eine Vielfalt von unterschiedlichen Therapien und auch immer mehr Schmerzzentren, in denen sich die Betroffenen behandeln lassen können.

    Bild: © Depositphotos.com / monkeybusiness

  • Pflegende Angehörige gehen ein gesundheitliches Risiko ein

    Pflegende Angehörige gehen ein gesundheitliches Risiko ein

    Viele möchten ihre Eltern oder Großeltern nicht in ein Heim geben, wenn sie pflegebedürftig werden, andere können sich aus finanziellen Gründen kein Pflegeheim leisten und müssen ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Wer sich für die häusliche Pflege entscheidet, der sollte sich über die Belastung im Klaren sein, denn eine neue Studie, die von der DAK in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass rund die Hälfte aller pflegenden Angehörigen unter psychischen Problemen leiden.

    Schlafstörungen und Depressionen

    Für die Studie der DAK wurden die Daten von 12.000 Mitgliedern ausgewertet, die zu Hause ein Familienmitglied pflegen. 20 % der pflegenden Angehörigen litt demnach unter massiven Schlaf- und Angststörungen, aber auch unter Depressionen. Fast alle, die zu Hause pflegen, müssen um 10 % häufiger wegen psychischer Probleme behandelt werden als diejenigen, deren Angehörige in einem Heim betreut werden, bei der Diagnose Depressionen sind es rund 8 % mehr. Es sind aber nicht nur mentale Probleme, die pflegende Angehörige belastet, auch körperlich kommen die meisten schnell an ihre Grenzen. Jeder Sechste, der einen Angehörigen pflegt, klagt über Rückenschmerzen und Muskelprobleme.

    Pflegende Angehörige einfach überfordert

    Laut der DAK Studie schätzt mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen die persönliche Belastung als hoch oder sogar als sehr hoch ein. 50 % fühlen sich körperlich besonders belastet, 68 % empfinden die psychische Belastung als zu hoch und bei 71 % ist der zeitliche Aufwand eine große Belastung. Aber selbst wenn die Probleme mit der häuslichen Pflege groß sind, nutzen nur wenige das Angebot und nehmen externe Hilfe in Anspruch. So wissen zum Beispiel nur zwei von drei pflegenden Angehörigen, dass es das von der Pflegekasse bezahlte Angebot der sogenannten Verhinderungspflege gibt, und nur ein Fünftel der Betroffenen hat dieses Angebot bereits genutzt.

    Aus der Studie der DAK geht auch hervor, dass es zu 90 % Frauen sind, die Angehörige pflegen. Ein Drittel der pflegenden Frauen sind noch berufstätig, ein Fünftel hat sogar eine Vollzeitstellung.

    Pflegende Angehörige – Die Politik ist gefordert

    Seit Jahren fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz von der Bundesregierung, pflegende Angehörige besser und effektiver zu unterstützen. Eugen Brysch, der Vorstand der Stiftung möchte, dass alle, die ihre Eltern oder ihre Großeltern zu Hause pflegen, ähnlich wie Eltern behandelt werden und dass es ein Konzept wie das Elterngeld geben muss. Die momentanen gesetzlichen Angebote bei der Pflege sind nach Ansicht von Brysch nichts weiter als Symbolpolitik und Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Brysch kritisiert aber auch, dass die Politik zwar Angebote macht, aber schon bei der Gesetzgebung davon ausgeht, dass sie kaum jemand in Anspruch nimmt. Das zuständige Bundesministerium schätzt, dass sich in einem Zeitraum von drei Jahren nur ein halbes Prozent aller 1,25 Millionen Menschen in Deutschland, die einen Angehörigen pflegen, sich vom Job freistellen lassen.

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  • Der Konsum von Cannabis steigt

    Der Konsum von Cannabis steigt

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Berlin schlägt Alarm, denn immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland konsumieren Cannabis. Jeder zehnte zwischen zwölf und 17 Jahren hat nach einer neuen Studie schon einmal Cannabis probiert, vor allem bei den jungen Männern steigt die Zahl der Konsumenten drastisch an. War es 2008 noch jeder siebte junge Mann zwischen 18 und 25 Jahren in dieser Altersgruppe, der mindestens einmal die Droge probiert hat, ist es aktuell jeder Vierte. Bei den jungen Frauen stieg die Zahl der Erstkonsumenten von 8,3 % auf 11,2 % an.

    Immer mehr konsumieren regelmäßig Cannabis

    Acht Prozent der 12- bis 17-Jährigen gab an, dass sie in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben, zwei Prozent in dieser Altersgruppe nimmt es sogar regelmäßig. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler sieht pessimistisch in die Zukunft, denn ihrer Meinung nach werden die Zahlen noch erheblich ansteigen. Von den Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig Cannabis nehmen, wird die Zahl von aktuell 2,3 % auf 3,5 % steigen und auch bei den jungen Menschen ab 25 Jahre wird nach Ansicht von Marlene Mortler kaum eine Veränderung zum Positiven stattfinden.

    Sind die Befürworter schuld?

    Die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis ist nach Ansicht von Experten daran schuld, dass immer mehr junge Menschen die Droge nehmen. Auch die Bundesdrogenbeauftragte sieht die Gefahr in der Verharmlosung von Cannabis, wie sie von den Befürwortern propagiert wird. Mediziner sprechen von einer bedenklichen Entwicklung in die völlig falsche Richtung, wenn Cannabis, wie es einige fordern, legalisiert wird. Dann wird Cannabis zu einer Einstiegsdroge, denn viele, die heute regelmäßig Cannabis rauchen, werden irgendwann mit dem Ergebnis nicht mehr zufrieden sein und dann zwangsläufig zu anderen, härteren Drogen greifen. Die Grünen, die Linkspartei und in neuster Zeit auch die FDP sprechen sich für eine Legalisierung von Cannabis aus, unter anderem, um die Beschaffungskriminalität in den Griff zu bekommen.

    Die gesundheitlichen Folgen

    Mediziner betrachten Cannabis nicht als harmlose Droge, sondern als ein ernst zunehmendes Problem, wenn es um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht. Die Leistung des Gehirns leidet bei regelmäßigem Genuss von Cannabis ebenso wie die Leber und auch das Herz. Sie fordern von der Bundesregierung auch umfassendere Präventivmaßnahmen, um zu verhindern, dass noch mehr Kinder und Jugendliche zum Cannabis greifen. Den jungen Leuten muss unmissverständlich klar gemacht werden, dass der Genuss von Cannabis weitreichende Folgen für das zukünftige Leben haben kann. Die Befürworter halten die Diskussion für heuchlerisch, denn sie sind der Ansicht, dass alle, die sich gegen eine Legalisierung aussprechen, dann auch so konsequent sein sollten, Alkohol für Jugendliche ebenfalls zu verbieten und den Konsum unter Strafe zu stellen. Alkohol hat nämlich für Heranwachsende eine besonders verheerende Wirkung, wenn er regelmäßig und in großen Mengen konsumiert wird.

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  • Nicht ohne mein Smartphone – Internetsucht bei Kindern

    Nicht ohne mein Smartphone – Internetsucht bei Kindern

    30 Minuten oder eine halbe Stunde sind ein relativ kurzer Zeitraum, für viele Kinder und Jugendliche sind 30 Minuten eine kleine Ewigkeit, wenn sie in dieser Zeit auf ihr Smartphone verzichten müssen. Nach einer halben Stunde ist Schluss mit der Enthaltsamkeit, denn dann drängt es 60 % der Neun- bis Zehnjährigen wieder ins Internet. Welche Folge dieser enorme Konsum für die Kinder hat, das ist bis heute noch nicht wissenschaftlich erforscht, zum Leidwesen der Eltern und Kinderärzte, die die Politik in die Pflicht nehmen wollen, etwas gegen die kindliche Internetsucht zu unternehmen.

    Die Zahlen steigen

    Immer mehr Menschen, Kinder wie auch Erwachsene, leiden heute unter Internetsucht. Das sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler von der CSU. Ihrer Meinung nach kann eine frühzeitige Internetsucht nur bekämpft werden, wenn die Kinder schon früh einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium Internet lernen, denn nur so kann eine Internetsucht in späteren Jahren verhindert werden. Für die Kinderärzte steht bei der Internetsucht der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Sie kritisieren, dass heute schon Kinder im Vorschulalter ein teures Smartphone besitzen und dass die meisten Zwölfjährigen stundenlang ohne Unterbrechung mit ihrem Smartphone oder mit dem Tablet beschäftigt sind.

    Die Eltern als Vorbilder

    Es sind die Eltern, die der Verband der Kinder- und Jugendärzte in die Pflicht nehmen will, denn sie sind schließlich die unmittelbaren Vorbilder für die Kinder. Vor allem kleine Kinder orientieren sich an Vater und Mutter, wenn die Eltern zum Beispiel viel lesen, dann wird auch bei Kindern das Interesse an Büchern angeregt. Eltern, die nur zu bestimmten Zeiten ins Internet gehen, leben ihren Kindern ein richtiges Verhalten vor, das die Kinder nachmachen. Wenn die Kinder lernen, dass sie nicht mehr den ganzen Tag online sein müssen, dann wird die Internetsucht bereits im Keim erstickt. Kinderärzte plädieren auch dafür, dass sich die Kinder mehr bewegen müssen. In den Schulen kommt der Sportunterricht vielfach zu kurz und es liegt an den Eltern, ihre Kinder in einem Sportverein anzumelden und sie zu animieren, draußen zu spielen und Sport zu treiben.

    Teure Studien

    Der aktuelle Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung liefert erschreckende Zahlen: Über eine halbe Million Deutsche zwischen 14 und 64 Jahren leidet bereits unter Internetsucht. Für die Kinderärzte ist das ein Alarmsignal und sie planen jetzt Fragebögen in ihren Praxen auszulegen, um mehr über das Internetverhalten von Eltern und Kindern zu erfahren. Eine Studie, die über die Internetsucht bei Kindern Auskunft geben könnte, ist schwer zu realisieren, denn eine solche Studie würde rund 600.000 Euro kosten. Um diese Summe zu bekommen, müsste sich der Bund beteiligen, was bisher leider nicht der Fall war.

    Die Symptome der Internetsucht

    Wann ist ein Kind süchtig und wie wird Internetsucht überhaupt definiert? Diese Fragen lassen sich nicht so einfach beantworten, denn der Prozess ist schleichend und eine einfache Faustregel gibt es leider nicht. Psychologen nutzen einen Kriterienkatalog, um die Sucht nach dem Internet zu diagnostizieren. Die Verhaltensauffälligkeiten ähneln denen anderer Suchterkrankungen. Kinder, die den ständigen Drang verspüren, im Internet zu surfen, sind gefährdet oder bereits süchtig und auch wenn die Kontakte zu Freunden vernachlässigt werden, dann ist das ein Zeichen für die Sucht nach dem Medium Internet. Wenn das Interesse am Hobby mehr und mehr nachlässt, dann ist das ein Signal, und wenn sich Entzugserscheinungen zeigen, falls kein Internetzugang besteht, dann ist das ein deutliches Suchtkriterium. Als hochgradig süchtig bezeichnen Kinder- und Jugendpsychologen Heranwachsende, die in der Schule absacken und die es auch nicht weiter kümmert, wenn sie schlechte Zensuren und Zeugnisse nach Hause bringen.

    Eltern die befürchten, dass ihre Kinder gefährdet oder schon internetsüchtig sind, können sich an die Familien- und Suchtberatungsstellen wenden und sich beraten lassen.

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  • Warum krankhaftes Übergewicht auf dem Vormarsch ist

    Warum krankhaftes Übergewicht auf dem Vormarsch ist

    Die deutschen Krankenhäuser schlagen Alarm: Immer mehr Menschen müssen aufgrund ihres starken Übergewichts behandelt werden. Die Zahlen steigen sprunghaft an, denn in Deutschland leiden aktuell 60 % der Männer und 43 % der Frauen an Übergewicht. 15 % sind krankhaft fettleibig und das macht den Ärzten große Sorgen, denn in den letzten fünf Jahren haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Verbraucherschützer haben auch einen Schuldigen für diese Entwicklung gefunden, und zwar die zunehmend ungesunde Ernährung. Auch das zu geringe sportliche Angebot an den Schulen ist ein wichtiger Faktor, denn Kinder, die sich nicht mehr ausreichend bewegen, werden früher oder später zu fettleibigen Erwachsenen.

    Zu viel Fastfood

    Nach Ansicht von Experten beginnt der Weg in die krankhafte Fettleibigkeit und dem Übergewicht schon im Kindesalter. Die Kinder von heute ernähren sich nur noch selten, so wie es für Kinder angemessen wäre, ein großer Teil ernährt sich von Fastfood und Fertigprodukten, ungesunden Snacks und bekommt zu viel Zucker. Die Konsequenz aus dieser falschen Ernährung ist, dass die Zahl der übergewichtigen Kinder seit den 1980er Jahren um rund 50 % zugenommen hat. Schuld ist das Lebensmittelangebot, das sich in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert hat. Ungesunde Lebensmittel sind günstig und man kann sie überall kaufen, der Weg in die krankhafte Fettleibigkeit ist damit vorprogrammiert.

    Über die Folgen der Fettleibigkeit bzw. Übergewicht in der Kindheit machen sich nur wenige Eltern Gedanken, im Gegenteil, sie leben ihren Kindern vor, wie man sich kalorienreich und mit zu viel Zucker ernährt. Experten plädieren jetzt dafür, schon in den Schulen und Kindergärten über die ungesunde Wirkung von Fastfood, Fertignahrung und überzuckerte Getränken aufzuklären und dabei die Eltern mit ins Boot zu holen, denn schließlich haben die Eltern eine Vorbildfunktion, auch wenn es ums Essen geht.

    Politik und Nahrungsmittelindustrie

    Die Bundesregierung hat jetzt auf die Sorgen der Ärzte reagiert und den Entwurf für ein Präventionsgesetz vorgelegt. Ernährungswissenschaftler und Ärzte sind allerdings der Meinung, dass dieser Gesetzentwurf vollkommen ungeeignet ist, um das Problem der zunehmenden Fettleibigkeit in den Griff zu bekommen. Gesundheitsexperten gehen sogar noch einen Schritt weiter, denn sie werfen der Politik vor, auf der Seite der Ernährungsindustrie zu stehen. So ist die Organisation Foodwatch der Ansicht, dass die Lobbyarbeit der Industrie hervorragend funktioniert und die Hersteller dank lascher Gesetze immer mehr Lebensmittel auf den Markt bringen, die Kinder ansprechen sollen, die in Wirklichkeit jedoch wahre Bomben aus Zucker und Kalorien sind.

    Zwar gibt es beim Marketing Beschränkungen für sogenannte unausgewogene Kinderprodukte, aber das geht Foodwatch nicht weit genug. Gesunde Ernährung sollte zu einem Standard in den Schulen und Kindergärten werden, und wenn die Kindertagesstätten und die Schulkantinen mit Fertigprodukten beliefert werden, dann sollten diese Produkte sowohl zucker- als auch salzreduziert sein.

    Weniger Werbung

    Was Foodwatch aber besonders moniert, das sind die aggressiven Werbekampagnen, die von der Lebensmittelindustrie für Kinderprodukte geschaltet werden. Dazu kommt, dass das Angebot für sogenanntes Junkfood, also Lebensmittel, die übermäßig Zucker und Kohlehydrate enthalten, immer größer wird und zu jedem dieser ungesunden Produkte gibt es dann wieder eine neue Werbung.

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  • Berlin: Kind verstirbt an Masern

    Berlin: Kind verstirbt an Masern

    Bereits seit Oktober vergangenen Jahres kommt es in der Hauptstadt vermehrt zu Masern-Erkrankungen. Offizielle gemeldet wurden bisher 574 Menschen die sich mit dem Masern angesteckt haben. Heute wurde von dem Gesundheitssenator bestätigt, dass es zu einem Todesfall gekommen ist. Ein Kleinkind erlag den Folgen der Krankheit.

    Nach ersten Angaben handelt es sich um ein Kind im Alter von 18 Monaten. Am 18.Februar verstarb das Kind an der Infektionskrankheit. Es wurden darüber hinaus noch keine weiteren Angaben zur Person gemacht. Erste Reaktionen auf die Meldung gab es bereits. So hat eine Sekundarschule im Berliner Vorort Lichtenrade die Türen am heutigen Montag geschlossen gehalten.

    Das Robert-Koch-Institut gibt an, das der aktuelle Masern-Ausbruch in der Hauptstadt einer der größten seit dem Jahr 2001 ist. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Infektionsschutzgesetzes erlassen. Im Zusammenhang mit diesem Masern-Ausbruch und dem jetzigen Todesfall, entflammt die Diskussion um eine gesetzlich vorgeschriebene Impfplicht auf ein Neues. Es wird von der Bundesregierung nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft zu einer Impfplicht kommen kann, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Eine Situation wie diese sei ein klares Zeichen dafür, wie wichtig Masern-Impfungen und anderer Impfungen sind. Sich gegen Impfungen auszusprechen sei verantwortungslos. Die 574 gemeldeten Masern-Fälle, die seit Oktober 2014 verzeichnet wurden, traten zum Großteil im Januar auf. Zum Jahresbeginn gab es 254 neuen Masern-Erkrankungen in Berlin. Von 335 befragten Patienten gaben 90 %, nicht gegen Masern geimpft zu sein.

    Laut Aussage der Berliner Behörden begann der Ausbruch unter Asylbewerbern. Diese stammen aus Bosnien Herzegowina und Serbien. In diesen Regionen gab es in den 90er Jahren lange Perioden, in denen keine oder kaum Impfungen gegeben wurden. Personen aus diesen Regionen sind stärker gefährdet. Die deutschen Behörden bieten den Asylbewerbern zahlreiche Möglichkeiten, die Impfungen nachholen zu lassen. Aus verschiedenen Gründen werden diese Angebote jedoch nur in geringen Zahlen angenommen.

    Viruserkrankung Masern

    Der Masern-Virus wird per Tröpfchen-Infektion übertragen. Dafür ist ein naher Kontakt mit einem Infizierten notwendig. Allerdings kann es bereits ausreichen, sich im gleichen Raum zu befinden. Das Masern-Virus ist recht instabil und reagiert auf Licht, hohe Temperaturen und auch Desinfektionsmittel. In den 1960er Jahren wurde eine Impfung entwickel, die effiziente ist und kostengünstig. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Masern auszurotten. Vor allem in Entwicklungsländern fordert die Krankheit immer wieder Todesopfer und es kommt zu größeren Ausbrüchen.

    Die Ausrottung ist seit 1984 erklärtes Ziel der Welt-Gesundheitsorganisation. Zum damaligen Zeitpunkt wurde ein schneller Erfolg erhofft. Die Masern Impfung arbeitet mit Lebendviren. Sie wird aus einem schwachen Virenstamm gewonnen. Da sie in Kombination mit einer Mumps- und Rötelimpfung verabreicht wird, spricht man häufig von der MMR-Impfung. Die Masern Impfung erfolgt in zwei Schritten. Die erste im Alter von 11-14 Monaten und die zweite vor Beendigung des zweiten Lebensjahres. In seltenen Fällen kommt es zu Nebenwirkungen bei einer Impfung. Diese kommen zum Beispiel in Form einer Rötung an der Einstichstelle. Einige Patienten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Hinzu kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Diese schlägt auf die Gelenke. Es wird angegeben, dass es zu einer möglichen Hirnhautentzündung kommen kann. Bisher gab es dafür allerdings noch keine Nachweise.

    Hat man sich mit den Masern angesteckt, kommt es zu Beginn der Krankheit zu Erkältungssymptomen. Schnupfen, Husten und Fieber sind immer Begleiterscheinungen. Anschließend bilden sich Flecken aus. Diese sind rotbraun und treten am gesamten Körper auf. Die Masern sind ansteckend, ohne dass man die Flecken sehen kann. Bis zu fünf Tage bevor der Ausschlag auftritt, kann man dem Masern-Virus bereits übertragen. Nach der Ansteckung mit den Masern beträgt die Inkubationszeit bis zu 10 Tage.

    Zu wenig Kinder gegen Masern geimpft

    In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Kontroversen im Bereich des Impfschutzes. Die Riege der Impfgegner wächst und viele Eltern entscheiden sich dazu, Ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Dabei sind es nicht nur die Masern-Impfungen, die verweigert werden. Die Gründe sind ganz verschieden. Einige haben einfach Angst, dass es zu ernsthaften Nebenwirkungen kommen kann. Auch hat sich die Theorie durchgesetzt, dass die Masern-Impfung Autismus auslösen kann. Dies beruht auf den Aussagen einer Doktorarbeit, die im Nachhinein als falsch belegt wurden. Das Gerücht kann sich dennoch halten. Wieder anderer sehen Impfungen als wirkungslos und sind davon überzeugt, dass es keinen Unterschied macht. Der aktuelle Todesfall in Berlin zeigt die Gefahren der Krankheit klar auf.

    Bildquelle: Depositphotos.com // poznyakov