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  • Grauer Star – Medikamente statt Operation

    Grauer Star – Medikamente statt Operation

    Weltweit wird bei Menschen, die älter als 70 Jahre sind, ein grauer Star diagnostiziert, und bislang konnte ein grauer Star nur mit einer entsprechenden Operation behandelt werden. Jetzt haben Wissenschaftler eine Möglichkeit gefunden, wie eine Operation verhindert werden kann, denn es gibt ein neues Medikament, das die Augenkrankheit zwar nicht komplett heilen, sie aber aufhalten und sogar rückgängig machen kann. Die Inhaltsstoffe des neuen Medikaments sind nicht nur wirksam, wenn es um den grauen Star geht, sie können auch bei Demenz und Parkinson hilfreich sein.

    Grauer Star – vielversprechende Versuche

    Ein grauer Star führt zur vollständigen Erblindung, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird, und bisher konnten Augenärzte nur mit einer Operation an der Linse die Trübung behandeln und so eine Erblindung verhindern. Forscher aus den USA haben jetzt aber einen speziellen Wirkstoff gefunden, der die Trübung der Linse verhindern kann. Die ersten Versuche an Mäusen sind sehr vielversprechend, berichtete ein Sprecher der University of Michigan in Ann Arbor, und auch deutsche Forscher sind begeistert und bezeichneten das Ergebnis der Studie der amerikanischen Kollegen als sehr positiv.

    Was ist ein grauer Star?

    Die Linse im Auge eines Menschen enthält sehr hoch konzentrierte Proteine, die für die Brechkraft zuständig sind. Die Linse muss immer transparent bleiben und damit das geschieht, müssen diese Proteine, die sich schon nach wenigen Lebenswochen ablagern, bis ins hohe Alter immer in einem flüssigen gelösten Zustand bleiben. Um das zu gewährleisten, gibt es zwei sogenannte Schutzeiweiße, das cryAA und das cryAB. Wenn diese beiden Kristalle ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können, dann verklumpen die Proteine und in der Folge trübt sich die Linse ein. Die Trübung wird grauer Star genannt und ohne adäquate Behandlung macht diese Linsentrübung blind. Vor allem in den Entwicklungsländern dieser Welt können sich die meisten Menschen eine Operation finanziell nicht leisten, für sie wäre das neue Medikament wirklich ein Segen.

    Was passiert bei einer Operation?

    Wenn ein grauer Star operativ behandelt wird, dann setzt der Arzt eine neue, künstliche Linse in das betroffene Auge ein. Um diese aufwendige und auch teure Operation zu verhindern, wurde schon lange nach einer alternativen Möglichkeit gesucht, die dort ansetzt, wo die Schutzeiweiße versagen. Auch die Forscher aus den USA suchten nach einem biochemischen Verfahren, was die Schutzeiweiße zum einen stabilisieren und zum anderen an einem Fehlverhalten hindern kann. 32 Komponenten kamen infrage, von denen am Ende nur eines übrig blieb. Es war das Präparat mit der Nummer 29, das in Laborversuchen die Eiweißklumpen in der Linse lösen und zum Teil sogar auflösen konnte.

    Versuche mit Mäusen

    Die Wissenschaftler der Universität von Michigan testeten das Präparat 29 an Mäusen, die durch eine Genveränderung schon sehr früh einen grauen Star bekamen. Im Verlauf der Studie zeigte sich schnell, dass die Substanz den Zustand der behandelten Linse in nur zwei Wochen deutlich verbessern konnte. Als Gegenversuch wurden dann auch Mäuse behandelt, deren grauer Star altersbedingt war und auch hier zeigte sich, wie wirksam die neue Substanz ist. In der letzten Versuchsreihe wurden dann die Augenlinsen von älteren Menschen behandelt, denen die Linse bereits entfernt wurde und auch dieses Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die neue Substanz steigert die Menge aller löslichen Proteine um 18 %, und das sehen die Forscher als eine sehr vielversprechende Spur, wenn es um eine medikamentöse Möglichkeit bei der Heilung des grauen Stars geht.

    Grauer Star ist aber nicht nur eine altersbedingte Erkrankung der Augen, grauer Star kann auch erblich bedingt sein. Wenn das der Fall ist, dann kann der graue Star auch junge Menschen und sogar schon Kinder treffen. Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, dass auch diese besondere Form mit dem neuen Medikament behandelt werden kann.

    Bild: © Depositphotos.com / AndreyPopov

  • Kombipräparate bei Erkältungen – sinnvoll oder wirkungslos?

    Kombipräparate bei Erkältungen – sinnvoll oder wirkungslos?

    Der Winter kommt und mit sind auch die Erkältungskrankheiten wieder da. Viele fühlen sich jetzt krank, denn die Nase läuft, der Hals schmerzt und der Husten stört die Nachtruhe. Eine Erkältung ist in dieser Jahreszeit keine Seltenheit und um die Beschwerden wieder loszuwerden, greifen immer mehr Menschen zu sogenannten Kombipräparaten. Aber reicht ein einziges Mittel wirklich aus, um die Erkältung in Schach zu halten und die Symptome zu lindern? Kombipräparate sind beliebt, aber sind sie auch sinnvoll, oder sollte man sich besser auf die guten alten Hausmittel verlassen?

    Kombipräparate – die universellen Helfer

    Wer eine starke Erkältung hat, der möchte nur eins – so schnell wie möglich wieder gesund werden. Das gilt besonders für alle, die sich nicht krankschreiben lassen möchten, die Zuhause jede Menge um die Ohren haben und es nicht leisten können, eine Pause einzulegen. In diesen Fällen kommen Kombipräparate wie gerufen, denn diese Mittel sind so etwas wie ein Universalhelfer, der alle Beschwerden auf einmal bekämpfen kann. Die Stiftung Warentest sieht das allerdings ein wenig anders und rät davon ab, eine Erkältung nach dem Gießkannenprinzip zu behandeln. Sie hat 300 der rezeptfreien Kombipräparate getestet und einer ausführlichen Prüfung unterzogen.

    Wie wirksam sind Kombipräparate?

    Grippostad C oder Aspirin Complex gehören zu den Kombipräparaten, die nicht nur mit einer hohen Wirksamkeit werben, durch Vitamin C wird auch noch ein gesundheitlicher Mehrwert suggeriert. Wick geht gleich mit zwei Kombipräparaten an den Start, denn Wick MediNait soll in der Nacht für ruhigen Schlaf sorgen und Wick DayMed macht angeblich fit und leistungsfähig für den Tag. Alle Kombipräparate, die auf dem Markt und frei verkäuflich sind, sollen die Kopf- und Gliederschmerzen lindern, das Fieber senken und den Schnupfen bekämpfen. Die Stiftung Warentest sieht das sehr kritisch und bemängelt, dass die Kombipräparate zum Teil schwere Nebenwirkungen haben, zudem ist die Wirkung vieler Inhaltsstoffe fraglich und in einigen Mitteln sind die Wirksubstanzen viel zu niedrig dosiert.

    Die Erkältung ganz gezielt bekämpfen

    Nicht nur die Stiftung Warentest rät dazu, die Erkältung ganz gezielt mit unterschiedlichen Medikamenten zu bekämpfen, auch viele Ärzte sind der Meinung, dass Kombipräparate keine gute Wahl sind. Nur wenn ein bestimmtes Mittel gegen ein bestimmtes Symptom eingesetzt wird, dann kann auch eine optimale Wirkung erzielt werden.

    • Bei Halsschmerzen erzielen die Wirkstoffe Ambroxol und Lidocain die größten Erfolge, allerdings sind sie für Kinder sowie Schwangere und Frauen, die stillen, nicht zu empfehlen. Kamillenblüten oder auch Kamillentee zum Gurgeln sind hier eine bessere Wahl.
    • Der Schnupfen lässt sich mit Xylometazolin bekämpfen, denn der Wirkstoff lässt die Schleimhäute in der Nase abschwellen. Der Wirkstoff sollte aber nicht länger als eine Woche verwendet werden. Auch eine konzentrierte Salzlösung und der Wirkstoff Dexpanthenol sind empfehlenswert, denn sie halten die Schleimhäute der Nase immer feucht und stärken die Abwehrkräfte.
    • Gegen Fieber und Schmerzen sind Paracetamol und Ibuprofen eine gute Wahl. Sie helfen dabei, Kopf- und Gliederschmerzen zu lindern und das Fieber optimal zu senken. Beide Wirkstoffe dürfen allerdings nur zeitlich begrenzt eingenommen werden.
    • Um einen trockenen Husten effektiv zu bekämpfen, ist der Wirkstoff Dextromethorphan eine gute Wahl, aber auch hier gilt: Ein Hustensaft mit diesen Wirkstoff darf nur kurze Zeit eingenommen werden. Ist der Husten verschleimt, dann sind die Wirkstoffe Ambroxol und Azetylzystein ideal, um die Verschleimung zu lösen. Wer seinen Husten mit natürlichen Mitteln bekämpfen will, der sollte einen Hustensaft einnehmen, der Eibisch, Spitzwegerich, Efeu, Thymian oder auch isländisches Moos enthält. Auch hier gilt wie bei den anderen Erkältungsbeschwerden, ein sogenanntes Monopräparat ist besser als ein Kombipräparat.

    Kombipräparate sind mit Sicherheit praktisch in der Handhabung, aber sie haben ihre Nachteile. Eine Erkältung sollte nach Möglichkeit mit natürlichen Mitteln gelindert werden, denn natürliche Mittel sind gut verträglich und sie haben keine Nebenwirkungen.

    Bild: © Depositphotos.com / 9albln

  • 34. SSW – für das Baby wird es langsam eng

    34. SSW – für das Baby wird es langsam eng

    In der 34. SSW sind es nur noch sechs Wochen bis zur Geburt, wenn alles nach Plan läuft und das Kind zum errechneten Geburtstermin zur Welt kommt. Für die Mutter beginnt jetzt eine ganz besondere Phase, denn sie kann in den Mutterschutz gehen, wenn sie möchte und die verbleibenden sechs Wochen dazu nutzen, Kraft für die bevorstehende Geburt zu tanken. Sie hat Zeit für sich, kann das Kinderzimmer fertig einrichten und alles das kaufen, was das Baby noch benötigt. Auch für das Baby ist die 34. SSW eine entscheidende Woche, denn es bereitet sich auf seine Art vor, das Licht der Welt zu erblicken.

    Das Baby in der 34. SSW

    45 cm groß und etwa 2.250 Gramm schwer ist das Baby in der 34. SSW. Es wird nur noch in den kommenden zwei Wochen weiter wachsen und an Gewicht zulegen, danach ist das Wachstum abgeschlossen. Wie die Mutter, so sammelt auch das Kind in der 34. SSW Kraft und Energie für die Geburt. Das Baby hat in der 34. SSW alle wichtigen Phasen seiner Entwicklung bereits durchlaufen, die es braucht, um auch außerhalb des schützenden Mutterleibs zurechtzukommen. Seine Lungen haben sich weitgehend entfaltet und sind ausgereift, auch das Gehör ist jetzt feiner. Das Baby lauscht der Mutter, die ihm etwas vorliest, es mag Musik und auch die Babygespräche, die die meisten Mütter mit ihrem ungeborenen Kind führen, werden jetzt deutlicher wahrgenommen. Das Baby hört aber nicht nur besser, Studien haben nachgewiesen, dass das Kind auch auf bestimmte akustische Reize reagiert.

    In der 34. SSW werden noch einige Feinarbeiten vorgenommen und die Entwicklung des Gehirns ist fast abgeschlossen. Der Bedarf an Kalzium ist in der 34. SSW besonders hoch und das Kind nimmt davon so viel wie eben möglich, aus dem Blut der Mutter auf. Es ist wichtig, dass sich die Mutter in der 34. SSW besonders kalziumreich ernährt, denn das ist für den Aufbau des kindlichen Skeletts unabdingbar. Optimal ist es, wenn in der 34. SSW der Gehalt an Kalzium beim Baby höher ist als bei der Mutter.

    In der 34. SSW wird es eng

    Langsam wird der Platz für das Baby in der Gebärmutter eng. In der 34. SSW kann es sich nur noch nach links oder rechts drehen, Purzelbäume sind nicht mehr möglich. Aber es kann noch seine Dehnübungen machen und die nehmen die endgültige Beckenendlage 34. SSW ein. Zum ersten Mal kann das Kind in der 34. SSW die Wände der Gebärmutter direkt berühren und die Mutter kann deutlich sehen, ob gerade ein Fuß, der Po oder eine Hand oben oder unten ist. In der 34. SSW sind Kinder zum Leidwesen der werdenden Mutter besonders in der Nacht aktiv und verschlafen gerne den Tag.

    Ist das ungeborene Kind ein kleiner Junge, dann befinden sich in der 34. SSW die Hoden bereits im Hodensack und auf den Ultraschallbildern, die in der 34. SSW gemacht werden, erscheinen die Hoden überproportional groß. Das Bild täuscht allerdings, denn es handelt sich dabei lediglich um eine Ansammlung von Flüssigkeit, die von selbst wieder verschwindet.

    Die körperlichen Veränderungen in der 34. SSW

    Nicht nur das Baby verändert sich in der 34. SSW, auch die Mutter spürt viele körperliche Veränderungen. Ist in der 34. SSW Druck nach unten zu spüren, ist es vollkommen normal und besonders zierlich gebaute Frauen merken in der 34. SSW Größe und Gewicht des Babys sehr deutlich. Auch der obere Rand der Gebärmutter macht der Mutter in der 34. SSW zu schaffen, denn er erreicht seinen höchsten Stand und drückt unangenehm gegen die Rippen, den Magen und auf das Zwerchfell. Viele Frauen haben in dieser Phase der Schwangerschaft nur noch wenig Appetit und sollten auf kleine leckere Mahlzeiten und gesunde Snacks umsteigen. Nicht selten spannt sich in der 34. SSW der Bauch so sehr, dass der Nabel sich nach außen wölbt oder abflacht, und in der Mitte des Bauchs zeigt sich eine dunkle Linie, die sogenannte Linea Negra. Immer wenn in der 34. SSW das Gewicht des Baby auf den Beckennerv drückt, dann ist auch ein taubes Gefühl oder ein leichtes Kribbeln in der Beckenregion keine Seltenheit.

    Wenn die Belastung für die Mutter zu groß wird, dann können lauwarme Bäder, Massagen oder auch eine sanfte Form des Yoga für Erleichterung sorgen. In der 34. SSW wird es langsam aber sicher Zeit, nach einem geeigneten Krankenhaus oder Geburtshaus zu suchen. Frauen, die zu Hause entbinden wollen, sollten mit der Hebamme alle wichtigen und relevanten Dinge besprechen. Selbst wenn es bis zur Geburt noch sechs Wochen sind, kann es nicht schaden, die Tasche für die Klinik schon mal zu packen, denn es gibt Babys, die halten sich nicht an vereinbarte Termine.

    Welche Vorbereitungen kann die Mutter noch treffen?

    Um zu verhindern, dass der Damm während der Geburt geschnitten werden muss oder reißt, sollte in der 34. Schwangerschaftswoche mit der Massage des Damms begonnen werden, um ihn elastisch zu machen. Möglich sind eine äußere oder eine innere vaginale Massage, deren Wirkung sich mit einem milden, naturbelassenen Öl noch verstärken lässt. Täglich fünf bis maximal zehn Minuten Dammmassage reichen aus, um die Durchblutung anzuregen. Vor der 34. SSW sollte mit der Massage des Damms allerdings nicht begonnen werden, dann das kann im schlimmsten Fall Wehen auslösen.

    Wie gefährlich ist eine Geburt in der 34. Schwangerschaftswoche?

    Sind in der 34. SSW Senkwehen zu spüren, dann ist das kein Grund zur Panik, denn wenn das Kind bereits in der Beckenendlage liegt, dann drückt das Köpfchen nach unten. Eine Frühgeburt in der 34. SSW ist keine Seltenheit, aber wenn das Kind die durchschnittlichen Werte beim Gewicht und der Größe mitbringt, dann gilt es zwar offiziell als 34. SSW Frühchen, aber es hat alle Chancen, gesund auf die Welt zu kommen. Nicht selten kommen Zwillinge in der 34. SSW auf die Welt und da in diesem Fall beide Kinder meist recht leicht sind, müssen sie für einige Zeit in den Brutkasten.

    Die körperliche Entwicklung des Kindes ist in der 34. Schwangerschaftswoche beinahe abgeschlossen und da die Lungen bereits gut entwickelt sind, überlebt der überwiegende Teil der Kinder die frühe Geburt.

    Bild: © Depositphotos.com / andresr

  • Wie wirksam sind Medikamente ohne Rezept?

    Wie wirksam sind Medikamente ohne Rezept?

    Viele Menschen sind felsenfest davon überzeugt, dass nur die Medikamente wirksam sind, die sie auf Rezept bekommen, Medikamente ohne Rezept haben hingegen einen weniger guten Ruf. Evidenzbasierte Medikamente werden die Mittel genannt, die nachweislich eine Wirkung haben, aber ist das nur bei rezeptpflichtigen Mitteln der Fall? Dieser Frage gingen Mediziner und Pharmazeuten auf einem Kongress in Düsseldorf nach. Ist auf Medikamente ohne Rezept weniger Verlass als auf Medikamente, die der Arzt per Rezept verordnet?

    Medikamente ohne Rezept – Es kommt auf die Krankheit an

    Medikamente ohne Rezept gibt es in jeder Apotheke in einer mehr als großen Auswahl und es gibt Mittel gegen bestimmte Beschwerden, die besonders gerne gekauft werden. Wer Kopfschmerzen hat, der geht in die nächste Apotheke und kauft ein Präparat mit Wirkstoffen wie Paracetamol, Ibuprofen oder auch Acetylsalicylsäure. Auch bei einem grippalen Infekt oder einer Erkältung gehen viele Menschen nicht zum Arzt, sondern holen sich in einer Apotheke Medikamente ohne Rezept. Wenn es um schwerwiegende Leiden wie zum Beispiel um eine Depression geht, dann ist bei vielen Johanniskraut ein bewährtes Mittel, erst dann, wenn sich das Krankheitsbild verschlechtert, dann wird ein Arzt aufgesucht. Grundsätzlich ist gegen Medikamente ohne Rezept nichts einzuwenden, aber viele Patienten verlassen sich zu sehr auf diese Mittel oder gehen unsachgemäß damit um.

    Die Nebenwirkungen beachten

    Auch Medikamente ohne Rezept haben Nebenwirkungen, aber diese Nebenwirkungen spielen seltsamerweise keine so große Rolle, wie das bei Medikamenten der Fall ist, die der Arzt verschreibt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei Medikamenten, die der Arzt verschreibt, ein ausführliches Beratungsgespräch geführt wurde und das besonders in Hinsicht auf die möglichen Nebenwirkungen. Ein weitverbreiteter Irrtum ist auch die Annahme, dass Medikamente ohne Rezept, die jeder in der Apotheke kaufen kann, keine oder kaum Nebenwirkungen haben. Viele handeln nach dem Motto, wenn es frei verkauft wird, dann kann es nicht so gefährlich sein oder im Umkehrschluss, wenn es gefährliche Nebenwirkungen haben würde, dann könnte ich es nicht einfach so in der Apotheke kaufen.

    Medikamente ohne Rezept – Nicht alles ist empfehlenswert

    Nicht jedes Medikament ohne Rezept ist nach Ansicht der Kongressteilnehmer auch wirklich zu empfehlen. So stehen zum Beispiel einige Kopfschmerztabletten unter dem Verdacht, immer wieder neue Kopfschmerzen zu erzeugen, wenn diese Tabletten zu lange eingenommen werden. Auf der anderen Seite gibt es einige Medikamente ohne Rezept, die bei den Patienten eine Wirkung erzielen und das, obwohl wissenschaftlich keine Wirkung nachgewiesen werden konnte. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang vor allem der Apotheker. Nach Ansicht von Thomas Preis, dem Vorsitzenden des Apothekerverbands Nordrhein, müssen sich die Apotheker mehr Zeit nehmen, um die Kunden zu beraten und mit ihnen über die Wirksamkeit und Risiken zu sprechen.

    Konkurrenz aus dem Internet

    Den Apothekern kommt eine Schlüsselrolle zu, aber sie haben es immer schwerer, ihre Kunden adäquat zu beraten, denn es gibt die Konkurrenz aus dem Internet. In den Online-Apotheken werden Kopfschmerztabletten als Großpackungen angeboten und auch die günstigen Preise locken immer mehr Menschen, im Internet statt beim Apotheker vor Ort zu kaufen. Zwar bieten auch die Apotheken im Netz eine Beratung an, aber nicht selten müssen die Kunden für eine Beratung eine teure Telefonnummer anrufen. Hier besteht nach Meinung der Kongressteilnehmer Handlungsbedarf, denn vor allem ältere Menschen, aber auch diejenigen, die in ländlichen Gebieten leben und keine Apotheke in unmittelbarer Nähe haben, kommen was die Beratung angeht, viel zu kurz.

    Medikamente ohne Rezept sind nicht grundsätzlich schlechter oder weniger wirksam als Medikamente, die der Arzt verschreibt, aber wer in die Apotheke geht und sich Kopfschmerztabletten kauft, der sollte sich immer die Zeit nehmen und sich vom Apotheker beraten lassen. Vielfach ist es jedoch besser, vor der Einnahme von Medikamenten immer einen Arzt zu fragen.

    Bild: © Depositphotos.com / avarand

  • 35. SSW – Die 35. Schwangerschaftswoche

    35. SSW – Die 35. Schwangerschaftswoche

    Wenn der neunte Monat in seine zweite Hälfte geht, dann beginnt die 35. SSW und das heißt für Mutter und Kind, bald ist es so weit. Es ist die 35. SSW, die viele Frauen besonders belastet, die meisten sehnen sich danach, dass es endlich losgeht und das Kind geboren wird. In der 35. Schwangerschaftswoche beginnt auch der gesetzliche Mutterschutz und die meisten werdenden Mütter nutzen die verbleibende Zeit vor der Entbindung, um das zu Hause in ein behagliches Heim für den Nachwuchs zu verwandeln. Körperlich ist diese Phase der Schwangerschaft eher belastend, denn in der 35. SSW nimmt der Druck nach unten immer weiter zu und das macht vielen Schwangeren zu schaffen.

    Was macht das Baby in der 35. SSW?

    In der 35. SSW misst das Baby durchschnittlich 46 cm und ist im Schnitt 2.550 Gramm schwer. Bis zu seiner Geburt wird das Kind noch kräftig an Gewicht zulegen, denn die Gewichtszunahme in der 35. SSW ist sehr wichtig, da das Baby viele Energiereserven für die anstehende Geburt und die ersten Lebenstage dringend braucht. Die Bewegungen des Kindes werden in der 35. SSW immer koordinierter, allerdings fehlt jetzt langsam der Platz, um sich bewegen zu können. Die 35. SSW Kindsbewegungen werden von der Mutter daher nicht mehr so stark wahrgenommen, wie das in den vergangenen Monaten der Fall war.

    Die Sinneswahrnehmungen sind in der 35. SSW ausgeprägter und auch die Reflexe werden immer besser. So wendet sich das Kind einer Lichtquelle automatisch zu und dieser natürliche Reflex gilt als eine sehr wichtige Vorbereitung für das eigenständige Leben außerhalb des Mutterleibs. Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Babys in der 35. SSW intensiv träumen und dass bereits REM-Schlafphasen vorhanden sind, die sich mit den Träumen abwechseln.

    Die eigene Körpertemperatur kann das Kind in der 35. SSW immer besser regulieren und das kindliche Immunsystem funktioniert jetzt auch unabhängig vom Immunsystem der Mutter. Trotzdem ist das Immunsystem immer noch sehr sensibel und empfindlich. Um ausreichend Abwehrstoffe für die ersten Lebenswochen zu bekommen, ist das Kind nach wie vor von der Mutter abhängig, denn die eigentlichen Antikörper gegen ganz unterschiedliche Krankheitserreger werden erst in den ersten Lebensjahren ausgebildet.

    Wie arbeiten die kindlichen Organe in der 35. SSW?

    Die Organe des Babys sind in der 35. SSW schon vollständig entwickelt. Die Nieren und die Leber arbeiten und auch der Darm funktioniert bereits und lagert immer stärker das sogenannte Mekonium, das Kindspech ab. Dieses Kindspech ist eine zähe, dunkle Masse, die in der Hauptsache aus Hautzellen, aus Schleim, Haaren, Käseschmiere und auch aus eingedickter Gallenflüssigkeit besteht. Der erste richtige Stuhlgang wird aber erst 24 bis 48 Stunden nach der Geburt ausgeschieden. Da das Baby ständig vom Fruchtwasser trinkt, ist sein Magen immer gut gefüllt und die Verdauungsorgane werden auf diese Weise optimal trainiert.

    Die Mutter in der 35. SSW

    Da in der 35. SSW der Mutterschutz beginnt, hat die Mutter endlich genug Zeit, um ihre Kraftreserven zu bündeln und sich auf die Geburt zu konzentrieren. Da die Gebärmutter in den 35. SSW stark gegen den Rippenbogen drückt, haben viele werdende Mütter das unangenehme Gefühl, aus allen Nähten zu platzen. In dieser Phase der Schwangerschaft hat die Mutter bereits zwischen elf und 13 Kilogramm zugenommen, alleine die Gebärmutter bringt in der 35. SSW 1.500 Gramm auf die Waage. Aber auch das Gewicht des Kindes sorgt dafür, dass der Bauch immer schwerer wird.

    Herz und Kreislauf müssen in der 35. SSW wahre Schwerstarbeit leisten, denn das Blutvolumen hat mit 5,5 Litern sein Maximum erreicht, und ist damit um das anderthalbfache größer als noch zu Beginn der Schwangerschaft. Bei vielen Frauen macht sich der eigene Herzschlag in der 35. SSW immer mehr bemerkbar und sie spüren, dass ihr Kreislauf nicht mehr allzu stabil ist. Die stärkste Belastung geht aber vom Beckenboden aus und nicht selten stellt sich in der 35. SSW eine Blasenschwäche ein, jedes Niesen, Husten oder auch Lachen kann Folgen haben. Um solche peinlichen Situationen zu vermeiden, ist es ratsam, eine Slipeinlage oder eine dünne Binde zu tragen. Um das Becken zu stärken und gleichzeitig für die Geburt zu trainieren, ist eine gezielte Beckenbodengymnastik in der 35. SSW eine sinnvolle Sache.

    Ist eine Geburt in der 35. SSW eine Frühgeburt?

    Vor allem bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, sind in der 35. SSW Senkwehen keine Seltenheit. Die meisten Frauen fürchten sich vor einer Geburt in der 35. SSW, aber wenn es zu einer Frühgeburt in der 35. SSW kommt, dann sind die Chancen für das Kind gut. Vorwehen müssen aber nicht zwingend auf eine Geburt in der 35. SSW hinweisen, denn die Gebärmutter fängt langsam aber sicher an, sich auf die Entbindung vorzubereiten. Möglich sind aber auch Senkwehen, die die Aufgabe haben, den Kopf des Kindes in das kleine Becken zu schieben. Beide Wehenformen, sowohl Vorwehen als auch Senkwehen werden von den meisten Schwangeren nicht als eine eigentliche Wehentätigkeit wahrgenommen, sie erinnert eher an die Beschwerden während der Menstruation.

    Stärker sind da schon die Leisten- und Rückenschmerzen in der 35. SSW, die von einem immer härter werdenden Bauch begleitet werden. Diese Schmerzen treten anders als echte Geburtswehen, in unregelmäßigen Abständen auf, sie werden aber immer schwächer und verschwinden dann ganz wieder.

    Wenn ein Kind in der 35. SSW geboren wird, dann ist das für die Ärzte keine Frühgeburt im eigentlichen Sinne, denn das Kind ist voll lebensfähig, die restlichen Wochen werden lediglich zum Sammeln von Energiereserven genutzt. Dazu kommt, dass sich eine Geburt in der 35. Schwangerschaftswoche nicht mehr aufhalten lässt, deshalb werden wehenhemmende Mittel auch nur in Ausnahmefällen gegeben. Wenn das Baby beim Gewicht und bei der Größe im Plan ist, dann steht einer Geburt nichts mehr im Weg und das Kind kann ohne Probleme zur Welt kommen.

    Kinder, die in der 35. SSW geboren werden und die weniger als 2.400 wiegen, müssen für einige Tage ins Wärmebettchen oder in den Brutkasten. Ist das Kind aber gesund und munter, dann wird es keine Probleme geben und die Eltern können ihren Sohn oder ihre Tochter nach einer Woche in der Klinik wie geplant mit nach Hause nehmen.

    Bild: © Depositphotos.com / monkeybusiness

  • 39. SSW – Die 39. Schwangerschaftswoche

    39. SSW – Die 39. Schwangerschaftswoche

    In der 39. SSW, am Ende des 10. Schwangerschaftsmonats, läuft salopp gesagt, für Mutter und Kind der Countdown. Die Geburt steht in der 39. SSW unmittelbar bevor, und wenn es in der 39. SSW Anzeichen Geburt gibt, dann steht einer Entbindung nichts mehr im Wege. Nur 5 % der Kinder kommen tatsächlich am errechneten Geburtstermin zur Welt, die meisten Babys lassen sich entweder noch Zeit oder erblicken eben in der 39. SSW das Licht der Welt. In der 39. SSW können Mutter und Kind nichts anderes tun als zu warten, bis es endlich losgeht.

    Wie geht es dem Baby in der 39. SSW?

    Zwischen 50 und 51 cm groß ist das Baby in der 39. SSW und es wiegt im Schnitt 3.250 Gramm. In den vergangenen Wochen hat sich sein Wachstum immer mehr verlangsamt, denn bei den meisten Babys ist das Wachstum schon in der 36. Schwangerschaftswoche abgeschlossen. Kinder, die klein und eher zart sind, bringen in der 39. SSW nur 3.000 Gramm auf die Waage, aber es gibt auch kleine Schwergewichte, die in der 39. SSW schon vier Kilogramm wiegen. Wenn die Mutter in der 39. SSW Rückenschmerzen plagen, dann kann das durchaus ein Zeichen für ein schweres Baby sein.

    In der 39. SSW ist die Lunge des Babys voll ausgereift und hat bereits damit begonnen, Kortison zu produzieren. Das Kortison sorgt nach der Geburt dafür, dass sich die Lunge entfalten kann und dass der Rhythmus der Atmung stabil bleibt. Wenn sich das Baby in der 39. SSW Woche noch Zeit lässt, dann wird diese Zeit genutzt, um Fettreserven anzusammeln. Die Mutter spürt ihr Kind in der 39. SSW kaum noch, denn in der Gebärmutter wird es langsam aber sicher eng. Das Baby schläft jetzt viel, wohl auch um Kraft für die anstehende Geburt zu tanken. Die sogenannte Lanugo-Behaarung ist in der 39. SSW kaum noch vorhanden, bei einigen Babys ist lediglich ein zarter Flaum zu sehen, der aber in den ersten beiden Lebenswochen vollständig verschwindet.

    Im Zahnfleisch des ungeborenen Kindes zeichnen sich in der 39. SSW Furchen ab, sie sind die Anlagen für die Milchzähne, deren erste Konturen sich bereits abzeichnen, aber erst im sechsten Lebensmonat werden die Zähne durch den Kiefer brechen. In der 39. SSW ist das Fruchtwasser nicht mehr klar, sondern hat eine weiße, leicht milchige Farbe angenommen. Dafür ist die Käseschmiere verantwortlich, die sich im Fruchtwasser löst. Auch die Haut des Babys verändert sich in diesem Stadium der Schwangerschaft, die obere Schicht schält sich ab und wird durch eine neue Hautschicht ersetzt. Als Vorbereitung für die Geburt produziert das Kind in der 39. SSW viele Hormone, denn das endokrine System wird während der Geburt mehr Stresshormone ausschütten. Diese Hormone helfen dem Kind dabei, seine Körperfunktionen außerhalb der Gebärmutter in Gang zu bringen.

    Die Mutter in der 39. SSW – das Nest bauen und warten

    Putzen, alles in Ordnung bringen, das Kinderzimmer fertig einrichten und dekorieren – Frauen, die in der 39. SSW sind, haben den Nestbautrieb. Im Grunde ist der Drang alles perfekt zu gestalten, damit das Baby in ein schönes Zuhause kommt, nichts anders als die Überbrückung der Wartezeit bis zur Geburt. Bei 15 % aller Frauen kommt es in dieser Zeit zum Blasensprung, was in der 39. SSW Wehen auslösen kann. Es bleibt aber immer noch ausreichend Zeit, die Hebamme zu verständigen und ins Krankenhaus zu fahren, denn bis zur Geburt vergehen meist noch mehrere Stunden.

    98 % der Kinder, die in Deutschland geboren werden, erblicken in einem Krankenhaus das Licht der Welt, die restlichen zwei Prozent kommen in einer Arztpraxis, zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt.

    Wie lange kann eine Geburt dauern?

    Wie lange die Entbindung tatsächlich dauert, das ist immer sehr individuell und es gibt lediglich Durchschnittswerte. Früher hieß es, wenn in der 39. SSW Schleim vermehrt abgeht, dann ist das ein Zeichen für eine schnelle Geburt, aber diese Weisheit gilt heute nicht mehr. Das Gleiche gilt auch für den 39. SSW Schleimpfropf, denn wenn sich dieser löst, dann ist das nur ein Zeichen dafür, dass die Geburt bevorsteht, aber es deutet nicht an, wie lange die Geburt dauern wird. Wenn der 39. SSW Ausfluss allerdings zäh fließend und leicht gelblich ist, dann ist das ein Zeichen, dass das Kind wahrscheinlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Im Durchschnitt dauert die Geburt des ersten Kindes zwischen 13 und 20 Stunden, Frauen, die schon einmal geboren haben, müssen hingegen mit durchschnittlich acht Stunden rechnen.

    Schon die ersten Vorwehen können sehr schmerzhaft sein, bei vielen Frauen fallen diese Wehen jedoch aus, sie haben direkt Eröffnungswehen. Hat die werdende Mutter vor der Geburt große Angst, dann ist in der 39. SSW starke Übelkeit möglich, manche Frauen übergeben sich sogar noch im Kreißsaal. Ein in der 39. SSW harter Bauch ist nichts Ungewöhnliches, es wird aber von den meisten Frauen als unangenehm wahrgenommen. Ein Bad im lauwarmen Wasser kann für Entspannung sorgen. Wenn dieses Gefühl hingegen anhält, dann ist es sicherer ins Krankenhaus zu fahren, denn dann kann es sein, dass die Geburt nicht mehr lange auf sich warten lässt.

    Müssen in der 39. SSW Wehen stimuliert werden?

    Geburten in der 39. SSW sind keine Seltenheit und auch nicht gefährlich, aber wenn sich die Herztöne des Kindes verändern, dann werden die Wehen auch zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft stimuliert. Auch wenn die Eröffnungswehen in der 39. SSW zu schwach sind oder wenn zu wenig Prostaglandine, die sogenannten Eröffnungshormone freigesetzt werden, dann werden die Wehen stimuliert, um die Geburt voranzutreiben. Das Gleiche gilt auch dann, wenn es zwar schon Wehentätigkeit gibt, aber die Fruchtblase noch nicht geplatzt ist. In diesem Fall werden Arzt oder Hebamme die Fruchtblase manuell öffnen, damit die Wehen stärker werden.
    Weitere Möglichkeiten, um die Wehen in der 39. SSW zu forcieren, sind Vaginalzäpfchen oder ein Gel, das am Muttermund aufgetragen wird. Wenn das alles nicht hilft, dann wird die Gebärende in den meisten Fällen an den Wehentropf gehängt. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Wehen danach sehr plötzlich, in sehr kurzen Abständen und auch sehr schmerzhaft einsetzen.

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