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  • Atemwegserkrankungen – Männer gefährdeter als Frauen

    Atemwegserkrankungen – Männer gefährdeter als Frauen

    Dass Männer eine kürzere Lebensdauer haben als Frauen, das ist bekannt, aber Männer sterben auch häufiger an Atemwegserkrankungen als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der EU, die jetzt vom Statistikamt Eurostat in Luxemburg veröffentlicht wurde. Demnach starben alleine im Jahr 2012 fast 672.000 Menschen in den 28 EU-Ländern an Atemwegserkrankungen. 399.000 davon waren Männer, 273.000 Frauen. Ein Grund für diese Tatsache ist, dass Männer nach wie vor öfter an Lungenkrebs erkranken als Frauen und auch an dieser Krankheit sterben.

    Todesurteil Lungenkrebs

    Der Lungenkrebs ist noch immer der Spitzenreiter, wenn es um Atemwegserkrankungen geht. Bei rund 40 % derjenigen, die an einer Erkrankung der Atemwege leiden, wird der gefährliche Krebs diagnostiziert, dann folgen mit 24 % die Bronchitis oder andere chronische Erkrankungen der Atmungsorgane. Auch die Lungenentzündung nimmt bei den Atemwegserkrankungen mit 19 % einen der vorderen Plätze ein, nur ein Prozent entfällt hingegen auf Asthma. 0,3 % leiden unter Atemwegserkrankungen, die sich während einer Grippe eingestellt haben und 15,7 % haben verschiedene Atemwegserkrankungen, bei denen unter anderem die Luftröhre, die Nasengänge, die Bronchien oder Mund und Rachenraum betroffen sind.

    Welche Länder sind besonders betroffen?

    In den EU-Staaten sind die Atemwegserkrankungen in 13,4 % die Todesursache, Deutschland liegt mit 12,1 % sehr nah am europäischen Durchschnitt. Deutlich darüber liegt Großbritannien mit 20,3 %, und in Lettland sterben mit 5,8 % weitaus weniger Menschen an Atemwegerkrankungen als im EU-Durchschnitt. Rauchen die Deutschen und die Briten mehr als die Menschen in Lettland oder wie lässt sich diese Diskrepanz zwischen den Prozentzahlen sonst erklären? Für die Studie waren nicht nur die Atemwegserkrankungen relevant, die das Rauchen als Ursache haben, wichtig war auch die Umgebung, in der die Menschen leben. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die in den Ballungsräumen der großen Städte leben, bei einer Erkrankung der Atmungsorgane deutlich gefährdeter sind als diejenigen, die in ländlichen Regionen leben.

    Atemwegserkrankungen sind vererblich

    Sicher sorgen das Rauchen und die hohe Belastung durch Schmutz und Feinstaubbelastung dafür, dass die Zahl der Atemwegserkrankungen in Europa weiter zunimmt, aber es gibt nach Auffassung von Experten auch eine gewisse Veranlagung. Wer in der Familie Asthmakranke hat, der lebt mit einem hohen Risiko, auch an Asthma zu erkranken. Erkrankungen der Bronchien, die nicht selten chronisch sind, können auch von einer zur anderen Generation vererbt werden, dennoch bekommt nicht jeder Raucher automatisch Lungenkrebs. Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, die viel Sport treiben, gesund leben und noch nie eine Zigarette angefasst haben, die dennoch an Lungenkrebs erkranken und an dieser Krankheit auch sterben. Unbestritten ist allerdings die Tatsache, dass Raucher mit einem sehr hohen Risiko leben, eine Erkrankung der Atemwege zu bekommen, denn Rauchen ist und bleibt gesundheitsschädlich und zudem auch gefährlich.

    Bild: © Depositphotos.com / AsierRomeroCarballo

  • Zöliakie – gibt es bald eine Immuntherapie?

    Zöliakie – gibt es bald eine Immuntherapie?

    Es ist heute fast schon ein Trend, die Ernährung umzustellen und es gehört beinahe schon zum guten Ton, an einer Unverträglichkeit zu leiden. Gluten oder Lactose sind die Unverträglichkeiten, unter denen anscheinend immer mehr Menschen leiden. Diejenigen, die tatsächlich eine Zöliakie, also eine Unverträglichkeit gegen Gluten haben, sind hingegen nicht zu beneiden. Wird eine Zöliakie festgestellt, dann heißt das für die Betroffenen, sie müssen ihr bisheriges Leben komplett umkrempeln, denn schon kleinste Mengen Gluten aus Getreide können dem Dünndarm schaden. Eine neue Studie sorgt aber jetzt für Hoffnung.

    Gluten sind überall

    Zöliakie kann denjenigen, die davon betroffen sind, das Leben sehr schwer machen. Das Klebereiweiß, das in den Getreidesorten wie Weizen, Hafer, Gerste, Roggen oder in Dinkel, also im noch jungen Weizen enthalten ist, stellt bei einer Unverträglichkeit nicht die Hauptursache dar, es sind vielmehr viele Lebensmittel, die ebenfalls das Klebereiweiß enthalten. Dazu gehören unter anderem Tomatenketchup, Senf, Würstchen und Schokolade, sogar im Eis sind Gluten zu finden. Das macht es natürlich nicht leicht, die passende Ernährung zu finden. Vor allem Kinder leider darunter, wenn bei ihnen eine Unverträglichkeit festgestellt wird. Wie sollen Eltern einem kleinen Kind erklären, dass es keinen Keks und keinen Kuchen auf dem Kindergeburtstag des besten Freundes essen darf? Mittlerweile haben viele Lebensmittelhersteller reagiert und bringen immer mehr Produkte auf den Markt, die keine Gluten enthalten. Das macht es zwar für die Betroffenen ein wenig einfacher, aber es geht doch eine Menge Lebensqualität und Lebensfreude verloren.

    Zöliakie – Keine Binsenweisheit

    Wissenschaftler aus Australien haben jetzt durch Blutuntersuchungen beweisen konnten, dass Kinder, die unter Zöliakie leiden, auf die gleichen giftigen Eiweißstoffe im Klebereiweiß Gluten reagieren, wie sie auch die Ursache für die Erkrankung bei erwachsenen Menschen sind. Das hört sich wie eine Binsenweisheit an, war aber für die australischen Forscher eine echte Überraschung. Diese Entdeckung widerlegt die bisherige Theorie, nach der sich die Zöliakie bei Kindern und bei Erwachsenen grundlegend voneinander unterscheidet. Bisher wurde auch in zwei Richtungen nach einem Heilmittel oder nach einer Therapie gesucht, um zum einen den Erwachsenen und zum anderen den Kindern helfen zu können. Das scheint nach der Entdeckung der Australier jetzt wohl überflüssig zu sein.

    Hilfe durch eine Immuntherapie

    Die Hoffnung der Wissenschaftler und Ärzte, den Menschen helfen zu können, die unter einer Zöliakie leiden, konzentriert sich jetzt auf eine Immuntherapie, die schon bald mit klinischen Phase-2-Studien getestet werden soll. Mit dieser Therapie soll das Immunsystem lernen, die Gluten zu tolerieren und sie nicht mehr anzugreifen. Wenn diese Therapie wie gewünscht erfolgreich verläuft, dann können diejenigen, die jetzt noch unter Zöliakie leiden, endlich wieder normal essen und müssten keine Zwangsdiät machen. Besonders Eltern, deren Kinder unter einer Zöliakie leiden, müssten nicht mehr ständig auf das achten, was ihre Kinder essen.

    Bild: © Depositphotos.com / zimmytws

  • Viagra für die Frau – die Kritik reißt nicht ab

    Viagra für die Frau – die Kritik reißt nicht ab

    Seit in den USA Flibanserin als Viagra für die Frau zugelassen wurde, reißt die Kritik an diesem neuen Medikament nicht ab. Nicht nur Mediziner sehen in der Viagra für die Frau eine große Gefahr von gesundheitlichen Schäden, auch führende Sexualwissenschaftler sparen nicht an Kritik oder bezeichnen die Tablette als blanken Unsinn. Dabei soll das Viagra für die Frau den Damen zu einem erfüllten Sexualleben verhelfen, und so fragen die Kritiker des sogenannten „Pink Viagra“: Welche Frau will ein Psychopharmaka einnehmen, nur um mehr Lust zu bekommen?

    Kein Interesse

    Schon im Vorfeld gab es Zweifel am Sinn von Flibanserin, das in den USA unter dem Namen Addyi verkauft wird. Die rosa Tablette hat die Aufgabe, die sexuelle Lust von Frauen zu steigern und wird als das weibliche Gegenstück zur bekannten blauen Viagra für den Mann angepriesen. Vorerst gibt es das Viagra für die Frau nur in den Vereinigten Staaten, in Deutschland ist das Medikament nicht zugelassen und aktuell werden auch keine Anträge von deutschen oder anderen europäischen Ländern gestellt, damit Flibanserin zugelassen werden kann.

    Kein großer Erfolg

    Sexualtherapeuten sehen im Viagra für die Frau eine Gefahr für ohnehin schon instabile Partnerschaften, denn mit der Pille wird der Druck vor allem auf die Frauen noch weiter verstärkt. Frauen spüren Lust nicht im Gehirn, und Lust lässt sich nicht beliebig an- und wieder ausknipsen. Wenn Frauen keine Lust verspüren, dann wollen sie keinen Sex und eine Tablette kann daran auch nichts ändern. Wer also annimmt, dass Frauen mehr Lust auf Sex verspüren, nur weil sie ein Medikament eingenommen haben, der wird sehr bald merken, dass das nicht funktioniert. Auch langfristig wird dem Viagra für die Frau ein großer Erfolg beschieden sein und mehr als der berühmte Placebo-Effekt wird daraus nicht werden.

    Wie gesundheitsschädlich ist Pink Viagra?

    Der Hersteller von Flibanserin empfiehlt eine Tagesdosis seines Medikaments, was nachzuvollziehen ist, denn schließlich lässt sich damit viel Geld verdienen. Frauen, die diese Pille täglich schlucken, müssen allerdings damit rechnen, dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann. Dazu gehört zum Beispiel Müdigkeit, aber auch der Blutdruck kann gefährlich niedrig werden. Kopfschmerzen gehören zu den Nebenwirkungen und auch das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, steigt mit der Einnahme von Flibanserin angeblich an, gesicherte Studien gibt es in dieser Richtung allerdings noch nicht. Flibanserin wurde ursprünglich als Antidepressiva entwickelt, es fördert die Produktion der Glückshormone Dopamin und Noradrenalin und senkt gleichzeitig die Produktion von Serotonin. Man kann die Pille also auch zur Gruppe der sogenannten „Happy Pills“ zuordnen, jenen Tabletten, die für ein positives Grundgefühl sorgen, dabei aber leider immer mehr die reale Wirklichkeit in den Hintergrund rücken lassen.

    Ob und wie das Viagra für die Frau tatsächlich wirkt, darüber gibt es noch keine genauen Erkenntnisse.

    Bild: © Depositphotos.com / Lighthunter

  • Die Kindersterblichkeit ist gesunken

    Die Kindersterblichkeit ist gesunken

    Zuerst die gute Nachricht – die weltweite Kindersterblichkeit hat sich nach Angaben der UNO seit 1990 halbiert. Jetzt die schlechte Nachricht – es sterben noch immer knapp sechs Millionen Kinder überall auf der Welt an Hunger und Krankheiten, bevor sie fünf Jahre alt werden. Aber auch diese Zahl hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert, denn 2014 waren es noch 6,3 Millionen Kinder. Die UNO hat ihr Ziel nicht erreicht, denn die Vorgabe war, dass sich die Zahl der Kindersterblichkeit zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel verringern sollte.

    Kindersterblichkeit – Nüchterne Zahlen

    Auch wenn sich die Kindersterblichkeit um 53 % reduziert hat, immer noch müssen jeden Tag 16.000 Kinder sterben. Dabei sind die meisten Todesfälle vermeidbar, sagt das Kinderhilfswerk UNICEF. Rund 45 % der Todesfälle passieren in den ersten 28 Lebenstagen der Kinder. Komplikationen bei der Geburt, Durchfallerkrankungen, Lungenentzündungen und auch Malaria und Blutvergiftungen sorgen in diesem Zeitraum für eine hohe Kindersterblichkeit. Von sechs Millionen Kindern stirbt rund eine Million am Tag der Geburt, zwei Millionen sterben in der ersten Lebenswoche. Die Hälfte der Kinder stirbt aber vor dem fünften Lebensjahr an mangelnder Ernährung. Allein im afrikanischen Tschad sterben 85 von 1.000 Kindern, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen, in Deutschland sind es nur drei von 1.000 Kindern.

    Der Tod ist vermeidbar

    Die UNO macht viele afrikanische Staaten, die südlich der Sahara liegen, und auch die Länder in Südasien für die hohe Kindersterblichkeit verantwortlich. Sie fordert diese Staaten auf, endlich das Gesundheitswesen zu verbessern, die schwangeren Frauen besser zu betreuen und auch mehr Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um Krankheiten wie Malaria keine Chance mehr zu geben. Einfache Mückenschutznetze reichen aus, um die Kinder vor den Stichen der mit Malaria infizierten Mücken effektiv zu schützen und auch die Impfprogramme gegen die für Kinder immer noch sehr gefährliche Krankheit müssen vorangetrieben werden. Die Kinder müssen nicht nur gegen Rotaviren geimpft werden, die Durchfallerkrankungen auslösen, sondern auch gegen Pneumokokken. Vor allem Babys können so durch einfache und bezahlbare medizinische Maßnahmen gerettet werden.

    Der Kampf gegen den Hunger

    Dass noch immer Kinder sterben, weil sie nicht genug zu essen haben, ist nach Ansicht der UNO eine Schande und sollte von den Staaten der Welt so nicht mehr hingenommen werden. Spekulanten aus den westlichen Industrienationen sind ein Grund für die Kindersterblichkeit, besonders in den afrikanischen Ländern. Die Menschen haben kaum noch Möglichkeiten, Getreide für den eigenen Bedarf anzupflanzen, weil sie enteignet werden, damit auf den Feldern Soja oder Mais in großen Mengen angepflanzt werden kann. Aber nicht nur die fehlende Nahrung ist für die Kindersterblichkeit verantwortlich, auch dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sorgt dafür, das immer mehr Kinder an Hunger, Durst oder Infektionskrankheiten sterben, und auch hier sind die reichen Staaten in der Pflicht.

    Bild: © Depositphotos.com / lucianmilasan

  • Forschung findet nicht dort statt, wo sie benötigt wird

    TK stellt Innovationsreport 2015 vor – AMNOG verfehlt Einsparziel

    Berlin (ots) – Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) verfehlt sein Ziel auch im vierten Jahr deutlich. Es sollte Einsparungen bei Arzneimittelverordnungen in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich erzielen. 2014 wurden gerade einmal 320 Millionen erreicht. „Die wirtschaftliche Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherungen ist also auf einem homöopathischen Niveau“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK). „Wenn das AMNOG als viel zitiertes ‚lernendes System‘ konsequent weiterentwickelt wird, sind jedoch viel größere Einsparungen möglich.“ 

    Der Innovationsreport 2015, den Professor Dr. Gerd Glaeske und Wissenschaftler der Universität Bremen mit Unterstützung der TK erstellt haben, zeigt außerdem, dass die frühe Nutzenbewertung auch qualitativ hinter den Erwartungen zurück bleibt: Von den 20 Präparaten, die im Jahr 2012 auf den Markt kamen, wurden nur zwölf vollständig bewertet. Entweder war das zu erwartende Verordnungsvolumen zu gering, die Präparate sind nicht zu Lasten der GKV erstattungsfähig oder es handelt sich um Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen. „Wenn das AMNOG endlich in der Arztpraxis ankommen und eine echte Entscheidungshilfe sein soll, müssen ausnahmslos alle neuen Arzneimittel auf ihren patientenrelevanten Zusatznutzen bewertet werden“, kommentiert Glaeske. 

    Nur eine von 20 Ampeln grün 

    Im diesjährigen Innovationsreport wurden die Präparate wieder nach dem Ampelschema bewertet. Nur ein Medikament erhielt eine grüne Ampel in der Gesamtbewertung. Sieben Mal zeigt die Ampel gelb und sogar zwölf Mal rot. Beim Marketing haben die Pharmahersteller ihre Hausaufgaben hingegen gemacht. Die Präparate wurden nach ihrer Markteinführung beinahe genauso häufig verordnet wie die neuen Arzneimittel im Vorjahr (41.000 Packungen zu 49.000 Packungen zu Lasten der TK). Lediglich der Umsatz fiel in Anbetracht der niedrigeren Innovationskraft auch geringer aus (27,5 Mio. Euro zu 74,0 Mio. Euro). 

    Trotzdem sind mehr als die Hälfte der untersuchten Präparate schon jetzt in die Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften aufgenommen worden. Nach einer aktuellen DocCheck-Umfrage im Auftrag der TK treffen 30 Prozent der befragten Ärzte ihre Entscheidung zur Verordnung neuer Arzneimittel am häufigsten aufgrund solcher Leitlinienempfehlungen. Nur 15 Prozent der Befragten gaben das Ergebnis der frühen Nutzenbewertung als häufigste Informationsquelle an. 

    Ein weiteres Ergebnis des Innovationsreports: „Die Innovationen fokussieren auf die falschen Bereiche. Forschung findet erkennbar nicht dort statt, wo sie benötigt wird“, so Baas. „Statt neuer Antibiotika stehen hauptsächlich Indikationsgebiete im Fokus, bei denen die Pharmaindustrie die größte Rendite erwartet.“ Von den 20 neuen Präparaten des Jahres 2012 sind fünf zur Behandlung von seltenen Erkrankungen zugelassen und neun gegen Krebs. Diesem zunächst positiven Trend stehen extrem hohe Preise für diese Medikamente gegenüber. Außerdem bedeutet die vermehrte Zulassung von Medikamenten gegen seltene Erkrankungen nicht automatisch, dass es nun deutlich mehr Therapiemöglichkeiten für Menschen gibt, die ein seltenes angeborenes Leiden haben. Es liegt vielmehr im Interesse der Industrie, große Volkskrankheiten so umzudefinieren, dass Patientengruppen auf das Maß von seltenen Erkrankungen verkleinert werden. Dies sichert ihnen einen relativ raschen Durchlauf durch das AMNOG-Verfahren und per Gesetz einen Zusatznutzen. 

    Keine Karenzzeiten für Mondpreise 

    Baas: „Aus fachlicher Sicht ist es sinnvoll, dass der verhandelte Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem Tag der Markteinführung gilt und nicht erst ab dem zweiten Jahr. Entweder hat ein neuer Wirkstoff einen Zusatznutzen für die Patienten oder nicht. Karenzzeiten für ‚Mondpreise‘ von Präparaten ohne Zusatznutzen müssen also entfallen.“ 

    Es ist außerdem sinnvoll, dass der zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem pharmazeutischen Unternehmer ausgehandelte Erstattungsbetrag zumindest in Teilen geheim ist. Öffentliche Preise setzen den Unternehmer aufgrund der besonderen Rolle des deutschen Marktes (Referenzpreisland) zusätzlich unter Druck. Durch geheime Preisnachlässe könnten die gesetzlichen Krankenkassen höhere Rabatte aushandeln, weil die Industrie damit nicht mehr automatisch in vielen anderen Märkten Abschläge hinnehmen müsste. 

    In einem Sonderkapitel befasst sich der Innovationsreport mit Arzneimitteln gegen Krebs. Neben dem demografischen Wandel mit der zunehmenden Patientenzahl, der längeren Behandlungsdauer und der gestiegenen Zahl an Krebsmedikamenten, sind es vor allem die hohen Preise, welche die Therapie zu einer finanziellen Herausforderung für die gesetzlichen Krankenkassen machen. „Dabei steht der Innovationsgrad und der tatsächliche medizinische Nutzen häufig nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Preis“, meint Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Mitherausgeber des Innovationsreports. Zudem weist das AMNOG auch hier gravierende Schwächen auf. Wenn das Vergleichspräparat in der frühen Nutzenbewertung schon einen so hohen Preis erzielt, wie es in der Krebsmedizin üblich ist, braucht das neue Medikament keinen Zusatznutzen zur bestehenden Therapie. Dadurch ist es auf mittelfristige Sicht nicht möglich, das System vor Nachahmerpräparaten zu schützen. 

    Hintergrund für die Redaktionen 

    Die digitale Pressemappe mit dem vollständigen Report, den gezeigten Charts, den Statements und der Pressemitteilung finden Sie unter www.presse.tk.de (Webcode 747402). 

    Im Juli und August 2015 hatte das Marktforschungsunternehmen DocCheck Research im Auftrag der TK eine Online-Befragung von n = 500 niedergelassenen Ärzten durchgeführt. 

     

    Pressekontakt: Dennis Chytrek Tel. 040 – 6909 3020 dennis.chytrek@tk.de www.newsroom.tk.de www.twitter.com/TK_Presse

    Quelle: http://www.presseportal.de/pm/6910/3117456
  • Ice Bucket Challenge – was wurde aus den Millionen?

    Ice Bucket Challenge – was wurde aus den Millionen?

    Wer kann sich noch an die Ice Bucket Challenge erinnern? Im Sommer 2014 hatte es den Anschein, als würde sich keiner der eiskalten Dusche aus dem Eimer entziehen können, vor allem die zahlreichen Stars und selbst erklärten Prominenten konnten sich nicht schnell genug den Eimer mit Eiswasser über den Kopf kippen. In den sozialen Netzwerken wie besonders Facebook, wurde die Ice Bucket Challenge gehypt, aber kaum jemand, der sich daran beteiligt hat, wusste auch, worum es dabei ging.

    Die Geschichte der Ice Bucket Challenge

    Die Geschichte der Ice Bucket Challenge ist auch eine Geschichte der unheilbaren Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Das Ziel der Aktion war, dass 440 Millionen Menschen dabei zusehen, wie sich prominente Mitmenschen, bekannte Sportler, aber auch Bekannte, Freunde, Verwandte oder auch wildfremde Menschen einen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf schütten. Innerhalb kürzester Zeit gab es 17 Millionen Videos alleine auf Facebook, und zehn Milliarden Menschen haben diese Spots der Ice Bucket Challenge angeklickt und mit einem „Like“ versehen. Mit der Ice Bucket Challenge sollte Geld für die Erforschung der Nervenkrankheit gesammelt werden, denn bislang gibt es weder ein wirksames Medikament noch eine Therapie für die Menschen, die unter ALS leiden.

    Eine tückische Krankheit

    Wer an ALS erkrankt, der verliert nach und nach die Kontrolle über seinen Körper, da die für die Motorik zuständigen Zellen angegriffen werden, das Gehirn ist davon nicht betroffen. Der ALS Kranke bleibt bis zu seinem Tod geistig hellwach, was bedeutet, er muss seinem eigenen Verfall hilflos zusehen. Die meisten Betroffenen sterben in den ersten zwei bis fünf Jahren an ihrer Krankheit. Die Ice Bucket Challenge hatte ursprünglich nichts mit ALS zu tun, es war der amerikanische Golfer Chris Kennedy, der mit seiner Eisdusche zu Spenden aufrief.

    Viel Geld

    Im Rahmen der Ice Bucket Challenge wurden weltweit 190 Millionen Euro gespendet, von denen die ALSA, die ALS Association, 100 Millionen Euro bekam. Für die Organisation, die sich um die Forschung nach einem Heilmittel kümmert, war die Ice Bucket Challenge ein großer Erfolg, denn im Rahmen der Spendenaktion gab es 30-mal mehr Geldspenden als in den Jahren zuvor. 41 Millionen wurden bereits ausgegeben und jede dieser Ausgaben kann auf der Internetseite der ALSA nachverfolgt werden. Trotzdem wurde der ALSA vorgeworfen, sie würde zu wenig Geld in die Forschung investieren. Die ALSA kann dieser Kritik nicht zustimmen und belegt, dass über zwei Drittel der eingenommenen Spendengelder für die Forschung nach Medikamenten und Therapien ausgegeben wurde. So wurden unter anderem klinische Studien unterstützt, Forscher bekamen die nötigen Mittel, um Gene identifizieren zu können, und auch in der Stammzellenforschung konnte mit dem Geld aus der Ice Bucket Challenge weiter gearbeitet werden. 20 % des Geldes kamen aber den Betroffenen zu Gute.

    Bild: © Depositphotos.com / IlianaMihaleva