Schlagwort: Sehstörungen

  • TIA – Warnzeichen für den kleinen Schlaganfall

    TIA – Warnzeichen für den kleinen Schlaganfall

    Fast jedem Schlaganfall gehen Warnzeichen voraus und diese alarmierenden Zeichen werden als transitorische ischämische Attacken oder kurz TIA genannt. Die TIA Warnzeichen treten von einer Minute auf die andere auf und sie verschwinden in der Regel auch ebenso schnell wieder. Da die Attacken blitzschnell kommen und gehen, suchen nur die wenigsten einen Arzt auf, aber das kann fatale Folgen haben. Wenn dann der Schlaganfall kommt, wird die Zeit knapp, und es kann sehr schnell um Leben oder Tod gehen.

    Welche Vorzeichen gibt es?

    Die TIA Warnzeichen sind vielfältig und individuell stark oder weniger stark ausgeprägt. Praktisch wie aus heiterem Himmel kann es zu Sehstörungen kommen, die Betroffenen sehen verschwommen oder wie durch eine Milchglasscheibe, aber auch eine plötzliche Blindheit ist möglich. Arme und Beine können sich taub und pelzig anfühlen, manche Menschen sind nicht mehr in der Lage, ganze Sätze zu sprechen oder es fehlen die richtigen Worte. Alle diese TIA Warnzeichen dauern meist nur wenige Sekunden oder Minuten, in einigen Fällen aber auch Stunden. Vor allem wenn es um Ausfälle geht, die nur Sekunden dauern, kommen nur die wenigsten auf den Gedanken, den Notruf zu wählen und betrachten das Ganze als ein vorübergehendes Phänomen.

    TIA Warnzeichen künden einen Schlaganfall an

    Nicht alle TIA Warnzeichen weisen auf einen kurz bevorstehenden Schlaganfall hin, aber bei 40 % der Schlaganfallpatienten ging eine transitorische ischämische Attacke voraus. Mediziner sprechen daher von einem kleinen Schlaganfall, den jeder ernst nehmen sollte. Was den „richtigen“ Schlaganfall von TIA unterscheidet, ist der zeitliche Ablauf, denn während bei den TIA Warnzeichen nur ein sehr kurzer Zeitraum vergeht, können die Symptome bei einem Schlaganfall bis zu 24 Stunden andauern.

    Welche Ursachen gibt es?

    Die TIA Warnzeichen werden in den meisten Fällen durch einen Blutpfropfen verursacht, der für kurze Zeit ein kleines Gefäß im Gehirn verstopft. Die eigentliche Ursache ist in der Regel jedoch eine Verkalkung der Arterien, in deren Folge sich ein Pfropfen aus der Halsschlagader löst und dann eine sogenannte Karotisstenose auslöst. Auch ein Vorhofflimmern kann dafür verantwortlich sein, dass es zu einem Blutgerinnsel kommt. Da die Durchblutungsstörung nur vorübergehend ist, kann man sie nicht mit einem Schlaganfall gleichsetzen, trotzdem gilt TIA immer als medizinischer Notfall. Die TIA Warnzeichen erhöhen das Risiko, einen Hirninfarkt zu erleiden und dann geht es um jede Minute. Meist kommt es bei mehr als zehn Prozent der Betroffenen nach vier Wochen zu einem Schlaganfall und innerhalb von drei Monaten steigt die Zahl auf 17 %.

    Wie wird TIA behandelt?

    Wenn TIA Warnzeichen auftreten, dann sollte ohne zu zögern der Notruf 112 angerufen werden, selbst dann, wenn die Symptome bereits wieder nachlassen. Der Notarzt wird den Patienten ins Krankenhaus einweisen, wo er dann 24 Stunden lang auf der Intensivstation beobachtet wird. In weiteren Untersuchungen suchen die Ärzte nach anderen Erkrankungen, die die Symptome ausgelöst haben könnten, wie zum Beispiel Epilepsie oder auch Migräne. Wenn die Patienten wieder nach Hause entlassen werden, dann ist es wichtig, den Auslöser von TIA richtig zu behandeln. Wer unter zu hohem Blutdruck, unter Vorhofflimmern, unter Diabetes oder unter einer Arteriosklerose leidet, ist ein Risikopatient und muss diese Erkrankungen unter ärztlicher Aussicht in den Griff bekommen. Medikamente müssen regelmäßig und konsequent eingenommen werden und sollte die Halsschlagader schon verengt sein, dann ist eine Operation die einzige Option der Behandlung. Patienten, die unter einem Vorhofflimmern leiden, müssen Medikamente einnehmen, die das Blut verdünnen.

    Damit es erst gar nicht zu TIA oder zu einem Schlaganfall kommt, ist es hilfreich, den Lebenswandel zu ändern. Rauchen ist ebenso ein Risikofaktor wie Übergewicht und der Mangel an Bewegung, auch eine ungesunde Ernährung erhöht die Gefahr, einen kleinen oder klassischen Schlaganfall zu erleiden.

    Bild: © Depositphotos.com / tashatuvango

  • Amphetamine als Partydroge – illegal und lebensgefährlich

    Amphetamine als Partydroge – illegal und lebensgefährlich

    Nächtelang durchtanzen, ohne müde zu werden oder Hunger zu verspüren – möglich wird das durch Amphetamine als Partydroge. Speed oder Ecstasy nennen es diejenigen, die zu dieser illegalen Droge greifen, um „gut drauf zu sein“, um abschalten oder einfach nur high zu werden. Wer Amphetamine als Partydroge nimmt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese synthetischen Drogen zum einen unter das Betäubungsmittel fallen und dass der „Genuss“ dieser Drogen zum anderen das Leben kosten kann.

    Die Hits der Drogenszene

    Amphetamine als Partydroge und auch Methamphetamine sind synthetisch hergestellte Drogen, die in der Drogenszene bekannt und auch beliebt sind. Amphetamine werden in der Szene als Speed angeboten und sie enthalten neben Methamphetamin auch Ephedrin, ein sehr gefährliches Alkaloid, Koffein und sogenannte Verschnittstoffe wie Waschpulver oder Milchpulver. Nicht weniger beliebt sind auch Ecstasy, ebenfalls ein Amphetamin und Crystal, ein weißliches, transparentes Pulver, das auch zur Familie der Methamphetamin gehört. Amphetamine als Partydroge werden wahlweise als feines Pulver geschnupft, in Form von Kapseln geschluckt, geraucht oder wie Heroin gespritzt.

    Wie wirken Amphetamine als Partydroge?

    Wie viele andere Drogen, so setzen auch Speed, Crystal oder Ecstasy bestimmte Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin im Gehirn frei, und das steigert die mentale und auch körperliche Leistungsfähigkeit. Wer die Droge nimmt, der fühlt sich stark, voller Energie und hat das Gefühl, glasklar denken zu können. Dazu kommt eine starke Euphorie, die auch Halluzinationen auslösen kann. Bedürfnisse wie Hunger, Durst oder Schlaf werden ausgeschaltet, der Blutdruck, die Körpertemperatur und die Pulsfrequenz steigen an, und schon zehn Milligramm der Droge reichen, um bis zu zehn Stunden Höchstleistungen zu bringen. Wer pures Methamphetamin schon in kleinen Dosen einnimmt, der kann seinen Rausch sogar noch verlängern.

    Welche Folgen hat der Drogenkonsum?

    Wer Amphetamine als Partydroge nimmt, der wird immer mehr konsumieren müssen, denn die Wirkdauer wird bei längerem Konsum immer kürzer. Das führt schließlich dazu, dass die Konsumenten die Dosis langsam aber sicher immer weiter erhöhen und dann in eine starke psychische Abhängigkeit abrutschen. Das Verhalten ändert sich, die Betroffenen entwickeln nicht selten Zwangsneurosen und mit zunehmendem Konsum kann es zu einer sogenannten Amphetaminpsychose kommen. Diese Form der Psychose kann in einer Paranoia oder auch in Schizophrenie enden. Aber auch für den Körper sind Amphetamine als Partydroge sehr gefährlich, denn das Herz-/Kreislaufsystem und auch die Nerven können schwer geschädigt werden. Obwohl Methamphetamine ein starkes Nervengift sind, nehmen die meisten Abhängigen die Droge trotzdem nicht alleine ein, da sie der Ansicht sind, dass sie die Nebenwirkungen des Gifts neutralisieren können, wenn sie zusätzlich noch Cannabis rauchen oder LSD nehmen.

    Welche Entzugssymptome gibt es?

    Da Amphetamine schnell abhängig machen und die Betroffenen immer größere Mengen einnehmen, sind die Entzugserscheinungen besonders stark. Neben Depressionen gehören auch Angstzustände zu diesen Symptomen, zudem bekommen die Betroffenen Panikattacken und sie leiden unter paranoiden Zuständen. Körperlich treten Entzugssymptome wie starkes Zittern, übermäßiges Schwitzen und auch Sehstörungen auf.

    Die weitverbreitete Partydroge

    Amphetamine als Partydroge sind in ganz Europa auf dem Vormarsch und haben in vielen EU-Staaten bereits den zweiten Platz in der Beliebtheitsliste hinter Cannabis erobert. Amphetamine werden auch gerne als Partydroge der Intellektuellen bezeichnet, denn die Konsumenten können klarer denken und da die Droge auch als Aufputschmittel dient, kennt die Leistungsfähigkeit kaum Grenzen. Jüngere Konsumenten nehmen Amphetamine meist als Stimmungsmacher, um nächtelang durchtanzen zu können, ohne müde zu werden. Amphetamine sind aber nicht nur eine beliebte Partydroge, auch Sportler schätzen die synthetische Droge als Dopingmittel.

    Amphetamine sind und bleiben eine gefährliche Droge, die sehr schnell in die körperliche und psychische Abhängigkeit führen kann. Schon wenige Milligramm reichen aus, um süchtig zu werden und die Folgen dieser Sucht sind in jedem Fall verheerend.

    Bild: © Depositphotos.com / nenovbrothers

  • Plötzliche Ohnmacht – die Angst, die Kontrolle zu verlieren

    Plötzliche Ohnmacht – die Angst, die Kontrolle zu verlieren

    Man kennt das aus vielen Filmen, immer wenn die Situation für die Hauptdarstellerin besonders heikel oder dramatisch wird, dann sinkt sie gekonnt in Ohnmacht. Das, was im Film immer so harmlos aussieht, ist in der Realität für diejenigen, die betroffen sind, alles andere als angenehm. Zwar ist eine plötzliche Ohnmacht in den meisten Fällen harmlos, aber es ist kein gutes Gefühl, das Bewusstsein und damit auch die Kontrolle zu verlieren. Was löst eine Ohnmacht aus und kann man sich davor überhaupt wappnen?

    Welche Ursache kann eine plötzliche Ohnmacht haben?

    Auch die plötzliche Ohnmacht hat einen medizinischen Namen und dieser lautet Synkope. Ärzte sprechen immer dann von einer Synkope, wenn es sich um einen kurzen Ohnmachtsanfall handelt, der nicht länger als ein paar Sekunden dauert. Ausgelöst wird diese kurze Bewusstlosigkeit von einer Durchblutungsstörung im Gehirn, die Ursachen für den Blackout sind aber vielfältig. Ein zu niedriger Blutdruck kann eine plötzliche Ohnmacht zur Folge haben, aber auch eine Schwangerschaft kann eine Synkope auslösen. Nicht immer sind die Ursachen harmloser Natur, hinter einer Ohnmacht kann auch eine ernsthafte Erkrankung stecken.

    Die vier verschiedenen Arten der Ohnmacht

    Wer meint, eine Ohnmacht ist einfach nur ein kurzer Moment der Bewusstlosigkeit, der irrt sich, denn aus medizinischer Sicht gibt es vier verschiedene Arten einer Ohnmacht:

    • Die zerebrovaskuläre Synkope
    • Die vasovagale Synkope
    • Die orthostatische Synkope
    • Die kardiale Synkope

    Die häufigste Form, die eine plötzliche Ohnmacht auslöst, ist die orthostatische Synkope, die immer dann eintritt, wenn der Kreislauf für einen kurzen Moment zusammenbricht. Der Mangel an Flüssigkeit kann diese Ohnmacht auslösen, auch wer einen niedrigen Blutdruck hat und dann von einer liegenden oder sitzenden Position zu schnell aufsteht, der muss damit rechnen, umzufallen. In diesem Augenblick sackt das Blut in die Beingefäße und das Gehirn bekommt nicht mehr genug Sauerstoff. Kommt es zu einer vasovagalen Synkope, dann ist eine starke Reflexreaktion des Körpers die Ursache. Stress, Angst, heftige Schmerzen und Kälte, aber auch Freude oder eine schlechte Nachricht können für eine solche plötzliche Ohnmacht sorgen.

    Die gefährliche Variante

    Wer vor Freude in Ohnmacht fällt, der wird die kurze Bewusstlosigkeit wahrscheinlich gerne in Kauf nehmen. Wenn es sich jedoch um eine kardiale Synkope handelt, dann wird es gefährlich. Eine solche Ohnmacht wird immer von einer Störung der Herzfunktion ausgelöst, vielfach sind es Herzrhythmusstörungen, die einen gefährlichen Einfluss auf den Blutkreislauf haben. Auch eine Veränderung in der Struktur des Herzgewebes kann eine plötzliche Ohnmacht auslösen. Das Gefährliche ist hierbei, dass das Herz während einer kardialen Synkope einfach stehenbleibt. Meist geschieht das ohne vorherige Anzeichen und nicht alle wachen aus dieser Ohnmacht wieder auf. Wenn das der Fall ist, dann handelt es sich um den plötzlichen Herztod, auch Sekundentod genannt.

    Das Anzapfphänomen

    Die zerebrovaskuläre Synkope wird auch das Anzapfphänomen genannt und kommt nicht so häufig vor. Bei einem Anzapfphänomen handelt es sich um den Verschluss eines Gefäßes im Gehirn, was zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff im umliegenden Gewebe führt. Dieses Gewebe sucht sofort nach einer anderen Sauerstoffquelle und zapft einfach ein anderes Gefäß in der Nähe an. Wird aber Blut aus einem anderen Gefäß abgezapft, dann entsteht auch dort eine Unterversorgung und es kommt zu einer kurzen Ohnmacht. Ganz so harmlos wie es klingt, ist eine zerebrovaskuläre Synkope leider nicht, denn ein Gefäßverschluss im Gehirn kann schwerwiegende Folgen haben.

    Wie sollte man bei einer Ohnmacht reagieren?

    Auf eine plötzliche Ohnmacht kann keiner reagieren, aber es gibt Anzeichen, die auf eine Ohnmacht hinweisen. Übelkeit oder Schweißausbrüche gehören dazu, aber auch Ohrensausen, Sehstörungen oder ein Schwindelgefühl. Wenn diese Symptome auftreten, dann ist es wichtig, den Kopf flach und die Beine hoch zu lagern, damit das Blut zurück in den Kopf fließen kann.

    Bild: © Depositphotos.com / photographee.eu

  • Kopfschmerzen – die lange vernachlässigte Volkskrankheit

    Kopfschmerzen – die lange vernachlässigte Volkskrankheit

    Keine andere Krankheit ist so weit verbreitet und kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie Kopfschmerzen. Es gibt 367 Arten von Schmerzen, die den Kopf betreffen und lange Zeit wurde das Leiden, das so viele Menschen quält, sowohl von den Ärzten als auch von den Wissenschaftlern vernachlässigt. Erst jetzt gibt es eine Vielzahl von Therapieansätzen und neue Behandlungsmethoden, die eine Besserung versprechen, aber nicht immer wird das Angebot von denjenigen auch wirklich angenommen, die unter ständigen Schmerzen im Kopf klagen.

    Therapieplätze und Ambulanzen gegen Kopfschmerzen

    Immer mehr Kliniken nehmen heute die Patienten ernst, die über Kopfschmerzen klagen und richten entsprechende Ambulanzen und Therapiezentren ein. So zum Beispiel auch die Charité in Berlin, in der es eine Kopfschmerzambulanz gibt, in der einen Psychologen und Schmerztherapeuten als Ansprechpartner für Patienten mit starken Schmerzen gibt. Das Zentrum in der Berliner Charité bietet neben einer Ambulanz auch eine fünftägige Therapie mit Entspannungsübungen, zudem können Kopfschmerzpatienten dort auch den richtigen Umgang mit Medikamenten lernen. Aufgenommen werden allerdings nur acht Patienten im Monat und nur eine Krankenkasse, die AOK, bezahlt die Therapie. Alle anderen Kassen sehen keine Veranlassung, die Kosten zu übernehmen, denn es handelt sich schließlich „nur“ um Kopfschmerzen.

    Die Krankheit, die verharmlost wird

    Im Zusammenhang mit Kopfschmerzen ist immer das Wörtchen nur zu hören, denn auch wenn die Schmerzen stark sind und die Betroffenen sehr darunter leiden, werden sie selten ernst genommen. Dabei leiden 70 % der Deutschen (54 Millionen) unter nervenden Kopfschmerzen. Die Hälfte der Betroffenen klagt dabei über Spannungsschmerzen, nur in acht Prozent aller Fälle stecken ernsthafte Erkrankungen dahinter. Alarmierend ist die Zahl von 44 % der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17, die davon betroffen sind, und diese Zahl steigt noch kontinuierlich an. Heute werden schon kleine Kinder behandelt, weil sie regelmäßig über Schmerzen im Kopf klagen. Trotzdem bekommen diese Kinder von den Eltern, aber auch von den Lehrern, Erziehern und Ärzten viel zu oft den Satz, zu hören: Stell dich nicht so an, es sind nur Kopfschmerzen.

    Migräne – die ganz besonderen Kopfschmerzen

    Eine besondere schmerzhafte Form von Kopfschmerz ist die Migräne. Rund 100.000 Menschen in Deutschland werden tagtäglich von einer so heftigen Migräne attackiert, dass sie nicht zur Arbeit gehen können. Neben den hämmernden, bohrenden und ziehenden Schmerzen im Kopf gesellen sich bei einer Migräne noch Erbrechen, Schwindelanfälle, Übelkeit und Sehstörungen dazu, was die Qualen um ein Vielfaches verstärkt. 22 % der Männer und 32 % der Frauen sind von Migräne betroffen, besonders heftig treten die Attacken an den Wochenenden auf. In den Apotheken klingeln die Kassen, denn pro Jahr nehmen die Deutschen mehr als drei Milliarden Tabletten gegen ihre Migräne oder den Kopfschmerz. Rund 85 % nehmen nach eigenen Angaben sogar täglich ein Medikament ein, um die Schmerzen zu lindern.

    Die neue Volkskrankheit

    Es gibt eine Reihe von Volkskrankheiten, aber keine trifft so viele Menschen und kommt so häufig vor wie Kopfschmerzen. Trotzdem spielen die 367 verschiedenen Kopfschmerzarten nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle. Wie unbedeutend die Schmerzen im Kopf aus der Sicht der Wissenschaft sind, das beweist auch der Bericht zur „Gesundheit der Deutschen“, den das Robert-Koch-Institut jedes Jahr der Bundesregierung vorlegt. In diesem 500 Seiten umfassenden Bericht kommen die Migräne und der Kopfschmerz im Allgemeinen überhaupt nicht vor. Schuld daran ist die Tatsache, dass Schmerzen im Kopf in all ihrer Vielfalt nicht als eine eigenständige Krankheit anerkannt werden, denn wenn sie das wären, dann würde zumindest der Versuch unternommen, sie in den Griff zu bekommen. Jedoch sind auch Fortschritte erzielt worden, denn es gibt heute eine Vielfalt von unterschiedlichen Therapien und auch immer mehr Schmerzzentren, in denen sich die Betroffenen behandeln lassen können.

    Bild: © Depositphotos.com / monkeybusiness

  • Demenz bei Kindern – wenn aus Zehnjährigen Pflegefälle werden

    Demenz bei Kindern – wenn aus Zehnjährigen Pflegefälle werden

    Demenz ist eine Krankheit, die nur ältere Menschen betrifft – das ist die landläufige Meinung, die aber so leider nicht stimmt. In Deutschland leiden 400 Kinder unter Demenz, sie leben ohne Hoffnung auf Genesung und mit einem Todesurteil. Therapien gibt es nicht, den verzweifelten Eltern stehen lediglich Selbsthilfegruppen bis zum Tod der Kinder zur Seite. Neuronale Ceroid Lipofuszinose, kurz NCL heißt die Krankheit, die Kinder oft schon noch vor dem zehnten Geburtstag befällt. NCL ist eine vererbte Form der Demenz, deren Erforschung erst ganz am Anfang steht und die unheilbar ist.

    Ganz normale Kinder

    Die 400 Kinder, die zurzeit in Deutschland an dieser seltenen Form der Demenz leiden, kommen als gesunde und unauffällige Kinder zur Welt. Die Kinder entwickeln sich altersgemäß, sie lernen wie andere Kinder auch, mit rund einem Jahr zu laufen, sie lernen zu sprechen, selbstständig zu essen und alles das, was auch gesunde Kinder können. Dann ändert sich von einem auf den anderen Tag alles. Die betroffenen Kinder lernen plötzlich keine neuen Wörter mehr, sie vergessen schon gelernte Begriffe und Tätigkeiten und haben auch Probleme damit, scharf zu sehen. Die Entwicklung kommt schließlich komplett zum Stillstand, und dann beginnen die Kinder sich praktisch rückwärts zu entwickeln. Die betroffenen Kinder können nicht mehr ohne Hilfe gehen, sie fallen mehr und mehr hin, sie schreien stundenlang ohne Grund und es kommt nicht selten sogar zu epileptischen Anfällen.

    Demenz bei Kindern – die Medizin ist ratlos

    Für die Eltern beginnt mit den Rückschritten ihres Kindes ein schrecklicher Weg durch alle medizinischen Instanzen. Der Kinderarzt kann das Krankheitsbild nicht richtig zuordnen und auch in den meisten Kinderkliniken wissen die Ärzte nicht, was sie tun sollen. Der Weg führt die Eltern schließlich zu einem Neurologen. In der ganzen Zeit leben sie praktisch in einem Zustand zwischen vielen Fehldiagnosen und einer Unkenntnis der Lage. Es wird Hoffnung gemacht, die dann sehr schnell einer tiefen Enttäuschung folgt. Für viele betroffene Eltern wird das Virchow-Klinikum in Berlin zur letzten Anlaufstelle, denn dort wurde in den meisten Fällen die richtige Diagnose gestellt: Kindliche Demenz.

    Die Stoffwechselstörung, die zur Demenz führt

    Seit Jahren werden im Berliner Virchow-Klinikum Kinder behandelt, die unter Demenz leiden. Die Krankheit wird vererbt, sie zerstört langsam aber sicher das Gehirn und sie führt immer zum Tod. Die Ärzte in der Berliner Klinik sehen bei den Kindern, die unter NCL leiden, immer wieder die für diese Krankheit typischen Symptome wie Sehstörungen und zunehmend auch immer wieder motorische Ausfälle. Alles, was die Mediziner tun können, ist die Familien an Selbsthilfegruppen zu verweisen, denn es gibt weder Medikamente, die NCL abmildern oder sogar stoppen können, noch Therapien, mit denen der Verlauf der Krankheit beeinflusst werden könnte.

    Wie Selbsthilfegruppen helfen können

    Die betroffenen Eltern stehen nach der Diagnose Demenz vollkommen alleine da. Weder die Medizin noch die Krankenkassen können den Eltern helfen, die einzige Adresse, an die sich Eltern wenden können, sind die Selbsthilfegruppen, die es mittlerweile gibt. Auch die NCL-Stiftung, die 2002 in Hamburg gegründet wurde, ist eine Adresse, an die sich Eltern wenden können, wenn sie Fragen haben oder sich mit anderen betroffenen Familien austauschen möchten. Die Stiftung wurde von Frank Husemann gegründet, dessen Sohn Tim seit sechs Jahren an NCL leidet. Husemann wollte nicht länger tatenlos dabei zusehen, wie der gesundheitliche Zustand seines Sohnes immer schlechter wurde, und begann damit, Forscher und Ärzte an einen Tisch zu bringen. Noch ist kein Durchbruch vonseiten der Forschung in Sicht, aber dank engagierter Mitarbeiter der Stiftung werden jetzt Schritte unternommen, die den Eltern erkrankter Kinder Hoffnung machen. Ob und wann es ein Medikament oder eine Therapie geben wird, das kann zum jetzigen Zeitpunkt aber keiner sagen.

    Bild: © Depositphotos.com / Wavebreakmedia

  • Gift mit Gift bekämpfen – wie funktioniert Atropin?

    Gift mit Gift bekämpfen – wie funktioniert Atropin?

    Die Terroranschläge von Paris haben nicht nur Frankreich in einen akuten Alarmzustand versetzt, in ganz Europa steigt auch die Gefahr, dass es weitere Anschläge geben könnte. Nach internationalen Geheimdienstberichten fürchtet Frankreich, dass es auch zu Anschlägen mit chemischen und biologischen Waffen kommen kann. Deshalb hat die französische Regierung angeordnet, um für alle Gefahrenfälle gerüstet zu sein, dass die nationalen Vorräte an Atropinsulfat aufgefüllt werden. Atropin ist ein hochwirksames Gift, und auch Atropinsulfat ist giftig, aber es wirkt als Gegengift und kann Leben retten.

    Atropin – Gift und Gegengift

    Gelangt Atropin in einer höheren Dosis in die Blutbahn, dann führt es zum Tode. Die ersten Anzeichen für eine Vergiftung durch Atropin sind Herzrasen, Schweißausbrüche, ein Erschlaffen der Muskulatur und schwere Sehstörungen. Das Gift aus der Tollkirsche greift das Nervensystem an und versetzt den Organismus in einen Ausnahmezustand. Bei einer zu hohen Dosis Atropin werden extrem viele Stresshormone ausgeschüttet, die schnell zum Tode führen, wenn sie in die Blutbahn geraten. Seltsam ist in diesem Zusammenhang, dass das französische Gesundheitsministerium jetzt große Mengen Atropinsulfat ankauft und an Krankenhäuser und Arztpraxen verteilen lässt. Als Grund nennt die französische Regierung, dass das Atropinsulfat angesichts der drohenden Anschlagsgefahr als Medikament für den Notfall gebraucht wird. Es kann nämlich bei einem Attentat, bei dem chemische Waffen zum Einsatz kommen, Menschenleben retten. Wenn chemische Kampfstoffe ins Spiel kommen, gibt es kein anderes Gegengift, nur Atropinsulfat stellt eine wirksame Gegenmaßnahme dar, das schreibt der „Figaro“ unter Berufung auf die Regierung.

    Tödliches Nervengift

    Wie kann ein Mittel, das eigentlich eine tödliche Wirkung hat, als Medikament eingesetzt werden, um ein anderes Gift effektiv bekämpfen? Um die Funktionalität von Atropin zu verstehen, muss man sich mit den chemischen Giften im menschlichen Körper befassen. Sollte zum Beispiel das Nervengift Sarin als Waffe eingesetzt werden, dann wird ein körpereigenes Enzym außer Gefecht gesetzt, die Acetylcholin-Esterase. Dieses Enzym ist eigentlich dafür zuständig, den Botenstoff Acetylcholin abzubauen. Geschieht das nicht, weil der Körper ein Nervengift wie Sarin aufgenommen hat, dann kann sich dieses Gift sehr schnell in einer sehr hohen Konzentration in den Nervenzellen sammeln. Die Nervenzellen reagieren, in dem sie zur Hochform auflaufen, die Betroffenen bekommen heftiges Nasenbluten, Augenschmerzen, sie geraten in Atemnot, es kommt zu Krämpfen und Erbrechen bis zur Bewusstlosigkeit, und schließlich zum Tod durch Atemstillstand.

    Atropin hebt die toxische Wirkung auf

    Wenn die Nervenzellen mit einem Nervengift gefüllt werden, wird Atropinsulfat eingesetzt, denn dieses Gift hebt die Wirkung des Nervengiftes wieder auf. Es blockiert die Rezeptoren, die das Acetylcholin normalerweise braucht, um andocken zu können. Auf diese Weise wird das Gift schnell unwirksam, ganz gleich, wie hoch die Dosis des Giftes in den Nervenzellen auch sein mag. Diese Besonderheit, die Atropin eigentlich so gefährlich macht, rettet im Ernstfall das Leben. Die Wirkung kann nur deshalb entstehen, weil das Gift in Anwesenheit eines anderen Giftes seine tödliche Kraft nicht mehr entfalten kann. Kommt es zum Beispiel zu einem Angriff mit Sarin, dann müssten alle, die das Gift eingeatmet haben, so schnell wie möglich zwei Milligramm Atropinsulfat bekommen, und zwar per Infektion direkt in die Blutbahn. Wie gut die Wirkung ist oder ob es zu bleibenden Schäden im Nervensystem kommt, das hängt immer davon ab, wie schnell das Atropinsulfat verabreicht wird.

    Frankreich will offenbar nichts mehr dem Zufall überlassen und gerüstet sein, falls es zu einer Attacke mit Nervengift kommt. Besonders groß ist die Angst vor Sarin, denn das Nervengift ist heimtückisch. Sarin ist unsichtbar, man kann es nicht riechen und auch nicht schmecken, aber schon wenige Tropfen reichen aus, um viele Menschen zu töten. Was es so gefährlich macht, ist aber die Tatsache, dass es auch über die Haut aufgenommen wird.

    Bild: © Depositphotos.com / EmiliaU