Schlagwort: Wissenschaftler

  • Forschung findet nicht dort statt, wo sie benötigt wird

    TK stellt Innovationsreport 2015 vor – AMNOG verfehlt Einsparziel

    Berlin (ots) – Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) verfehlt sein Ziel auch im vierten Jahr deutlich. Es sollte Einsparungen bei Arzneimittelverordnungen in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich erzielen. 2014 wurden gerade einmal 320 Millionen erreicht. „Die wirtschaftliche Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherungen ist also auf einem homöopathischen Niveau“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK). „Wenn das AMNOG als viel zitiertes ‚lernendes System‘ konsequent weiterentwickelt wird, sind jedoch viel größere Einsparungen möglich.“ 

    Der Innovationsreport 2015, den Professor Dr. Gerd Glaeske und Wissenschaftler der Universität Bremen mit Unterstützung der TK erstellt haben, zeigt außerdem, dass die frühe Nutzenbewertung auch qualitativ hinter den Erwartungen zurück bleibt: Von den 20 Präparaten, die im Jahr 2012 auf den Markt kamen, wurden nur zwölf vollständig bewertet. Entweder war das zu erwartende Verordnungsvolumen zu gering, die Präparate sind nicht zu Lasten der GKV erstattungsfähig oder es handelt sich um Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen. „Wenn das AMNOG endlich in der Arztpraxis ankommen und eine echte Entscheidungshilfe sein soll, müssen ausnahmslos alle neuen Arzneimittel auf ihren patientenrelevanten Zusatznutzen bewertet werden“, kommentiert Glaeske. 

    Nur eine von 20 Ampeln grün 

    Im diesjährigen Innovationsreport wurden die Präparate wieder nach dem Ampelschema bewertet. Nur ein Medikament erhielt eine grüne Ampel in der Gesamtbewertung. Sieben Mal zeigt die Ampel gelb und sogar zwölf Mal rot. Beim Marketing haben die Pharmahersteller ihre Hausaufgaben hingegen gemacht. Die Präparate wurden nach ihrer Markteinführung beinahe genauso häufig verordnet wie die neuen Arzneimittel im Vorjahr (41.000 Packungen zu 49.000 Packungen zu Lasten der TK). Lediglich der Umsatz fiel in Anbetracht der niedrigeren Innovationskraft auch geringer aus (27,5 Mio. Euro zu 74,0 Mio. Euro). 

    Trotzdem sind mehr als die Hälfte der untersuchten Präparate schon jetzt in die Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften aufgenommen worden. Nach einer aktuellen DocCheck-Umfrage im Auftrag der TK treffen 30 Prozent der befragten Ärzte ihre Entscheidung zur Verordnung neuer Arzneimittel am häufigsten aufgrund solcher Leitlinienempfehlungen. Nur 15 Prozent der Befragten gaben das Ergebnis der frühen Nutzenbewertung als häufigste Informationsquelle an. 

    Ein weiteres Ergebnis des Innovationsreports: „Die Innovationen fokussieren auf die falschen Bereiche. Forschung findet erkennbar nicht dort statt, wo sie benötigt wird“, so Baas. „Statt neuer Antibiotika stehen hauptsächlich Indikationsgebiete im Fokus, bei denen die Pharmaindustrie die größte Rendite erwartet.“ Von den 20 neuen Präparaten des Jahres 2012 sind fünf zur Behandlung von seltenen Erkrankungen zugelassen und neun gegen Krebs. Diesem zunächst positiven Trend stehen extrem hohe Preise für diese Medikamente gegenüber. Außerdem bedeutet die vermehrte Zulassung von Medikamenten gegen seltene Erkrankungen nicht automatisch, dass es nun deutlich mehr Therapiemöglichkeiten für Menschen gibt, die ein seltenes angeborenes Leiden haben. Es liegt vielmehr im Interesse der Industrie, große Volkskrankheiten so umzudefinieren, dass Patientengruppen auf das Maß von seltenen Erkrankungen verkleinert werden. Dies sichert ihnen einen relativ raschen Durchlauf durch das AMNOG-Verfahren und per Gesetz einen Zusatznutzen. 

    Keine Karenzzeiten für Mondpreise 

    Baas: „Aus fachlicher Sicht ist es sinnvoll, dass der verhandelte Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem Tag der Markteinführung gilt und nicht erst ab dem zweiten Jahr. Entweder hat ein neuer Wirkstoff einen Zusatznutzen für die Patienten oder nicht. Karenzzeiten für ‚Mondpreise‘ von Präparaten ohne Zusatznutzen müssen also entfallen.“ 

    Es ist außerdem sinnvoll, dass der zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem pharmazeutischen Unternehmer ausgehandelte Erstattungsbetrag zumindest in Teilen geheim ist. Öffentliche Preise setzen den Unternehmer aufgrund der besonderen Rolle des deutschen Marktes (Referenzpreisland) zusätzlich unter Druck. Durch geheime Preisnachlässe könnten die gesetzlichen Krankenkassen höhere Rabatte aushandeln, weil die Industrie damit nicht mehr automatisch in vielen anderen Märkten Abschläge hinnehmen müsste. 

    In einem Sonderkapitel befasst sich der Innovationsreport mit Arzneimitteln gegen Krebs. Neben dem demografischen Wandel mit der zunehmenden Patientenzahl, der längeren Behandlungsdauer und der gestiegenen Zahl an Krebsmedikamenten, sind es vor allem die hohen Preise, welche die Therapie zu einer finanziellen Herausforderung für die gesetzlichen Krankenkassen machen. „Dabei steht der Innovationsgrad und der tatsächliche medizinische Nutzen häufig nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Preis“, meint Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und Mitherausgeber des Innovationsreports. Zudem weist das AMNOG auch hier gravierende Schwächen auf. Wenn das Vergleichspräparat in der frühen Nutzenbewertung schon einen so hohen Preis erzielt, wie es in der Krebsmedizin üblich ist, braucht das neue Medikament keinen Zusatznutzen zur bestehenden Therapie. Dadurch ist es auf mittelfristige Sicht nicht möglich, das System vor Nachahmerpräparaten zu schützen. 

    Hintergrund für die Redaktionen 

    Die digitale Pressemappe mit dem vollständigen Report, den gezeigten Charts, den Statements und der Pressemitteilung finden Sie unter www.presse.tk.de (Webcode 747402). 

    Im Juli und August 2015 hatte das Marktforschungsunternehmen DocCheck Research im Auftrag der TK eine Online-Befragung von n = 500 niedergelassenen Ärzten durchgeführt. 

     

    Pressekontakt: Dennis Chytrek Tel. 040 – 6909 3020 dennis.chytrek@tk.de www.newsroom.tk.de www.twitter.com/TK_Presse

    Quelle: http://www.presseportal.de/pm/6910/3117456
  • Keime in Flugzeugen – wenn die Krankheit mitfliegt

    Keime in Flugzeugen – wenn die Krankheit mitfliegt

    Eine Welt ohne Keime und Bakterien gibt es nicht. Die Welt ist voll davon, aber vor allem in geschlossenen Räumen fühlen sich die zahlreichen Keime besonders wohl. Ein Flugzeug ist ein solcher Raum, der Keimen alles bietet, was sie zur Entfaltung brauchen: viele Menschen, abgestandene Luft und keine Möglichkeit, für frische Luft zu sorgen. Aber nicht nur Flugzeuge sind ein idealer Nährboten für Keime aller Art, auch in den Flughäfen fühlen sich die Keime zu Hause. Eine Reiseseite im Internet wollte es jetzt genau wissen und hat Mikrobiologen damit beauftragt, 26 Proben an fünf Flughäfen in den USA und in vier Flugzeugen zu sammeln.

    Die Gefahr liegt auf dem Tisch

    Die meisten Fluggäste begegnen den Keimen in besonders großer Zahl, wenn sie das kleine Tischchen an der Rückseite des Vordersitzes ausklappen, denn dieser Tisch ist nach Auskunft der Mikrobiologen der schmutzigste Ort im ganzen Flugzeug. Auf nur einem dieser kleinen Tische wurden im Schnitt 2155 Einheiten von Keimen und Bakterien auf nur einem Quadratzoll gefunden. Nicht viel besser sind die Knöpfe der Wasserspender an den Flughäfen, auf denen 1240 Einheiten gefunden wurden und auch an den Lüftungsschlitzen in den Flugzeugen fanden die Wissenschaftler 285 Einheiten von unterschiedlichen Keimen. 265 Einheiten waren auf dem Spülknopf der Flugzeugtoilette und auch die Schnallen, mit denen im Flugzeug die Sicherheitsgurte geschlossen werden, sind mit 230 Einheiten auf einen Quadratzoll nicht viel besser.

    Keime – Nicht immer gefährlich

    Die gute Nachricht ist, dass nicht alle Keime und Bakterien die gefunden wurden, auch tatsächlich eine Krankheit auslösen können. Von den 26 Proben, die an den Flughäfen und in den Flugzeugen genommen wurden, war keiner der Keime für Menschen gefährlich. Was allerdings bleibt, ist ein ungutes Gefühl und auch ein Gefühl des Ekels, denn es kann durchaus mal der Fall sein, dass sich unter den Keimen und Bakterien auch infektiöse Darmkeime befinden.

    Wie kann man sich schützen?

    Sich komplett vor Keimen zu schützen, ist nicht möglich. In Japan gehört es mittlerweile zum guten Ton, einen Mundschutz zu tragen, aber auch das kann nicht verhindern, dass ein bestimmter Keim oder eine Bakterie den Weg in den Körper findet. Was allerdings schützen kann, das ist Hygiene und wer nicht krank werden möchte, der sollte sich, wann immer es geht, gründlich die Hände waschen. Das gilt auch nach einer Flugreise, denn wer sich direkt nach dem Flug die Hände mit Seife wäscht, der schützt sich vor Keimen aller Art. Nicht schaden kann auch ein Desinfektionsmittel, das es auch in kleinen Sprühflaschen oder in Form von Einwegtüchern zu kaufen gibt. Wer ein sicheres Gefühl haben möchte, sollte den Tisch im Flugzeug mit einem Desinfektionstuch abwischen und wenn man im Flugzeug zur Toilette gehen muss, sind auch die feuchten Tücher eine gute Idee.

    Bild: © Depositphotos.com / AlexBrylov

  • Mit Frischzellenkuren dem Alter ein Schnippchen schlagen?

    Mit Frischzellenkuren dem Alter ein Schnippchen schlagen?

    Jeder möchte nach Möglichkeit ein biblisches Alter erreichen, aber keiner möchte alt aussehen und sich alt fühlen. Es gibt viele Möglichkeiten, um dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. Die Frischzellenkur gehört zu den „Verjüngungsmöglichkeiten“, die wieder voll im Trend sind. Schon der Maler Lucas Cranach hat sich mit dem Thema Verjüngung beschäftigt, denn er malte das berühmte Bild „Jungbrunnen“, wo die Menschen alt in einen Brunnen steigen und verjüngt wieder herauskommen. Die Suche nach der ewigen Jugend ist sehr alt, aber die Frischzellenkur ist immer noch umstritten.

    Neue Studien

    In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Tests mit Mäusen gemacht, um die Effektivität einer Frischzellenkur zu untermauern. Die meisten dieser Studien haben einen medizinischen Hintergrund, einige wurden aber auch von der Kosmetikindustrie in Auftrag gegeben. Für die Studien wurden eine junge und eine betagte Maus durch ihr Kreislaufsystem miteinander verbunden. Für den betagten Nager bedeutete diese Art der Frischzellenkur eine Art Frühlingserwachen, denn nicht nur die Funktion der Organe wurde deutlich besser, auch das Gewebe erholte sich. Was aber besonders erstaunlich ist, auch das Gehirn wurde durch das junge Blut wieder mehr aktiviert und das Gedächtnisvermögen der alten Mäuse wurde besser.

    Das Geheimnis des Blutes

    Experimente, wie sie von der Universität in Kalifornien mit Mäusen durchgeführt wurden, lassen sich nicht auf den Menschen übertragen, hier sieht die Frischzellenkur ein wenig anders aus. Das Blut spielt auch bei der menschlichen Frischzellenkur eine Hauptrolle. Die Forscher konnten aber aus den Tests mit Mäusen wertvolle Informationen gewinnen, die sich auch auf den Menschen übertragen lassen. Es gibt im Blut einen sogenannten Aging-Factor, und zwar in Form von größeren Mengen Eiweiß, die neue Gehirnzellen sprießen lassen. Das würde erklären, dass die ältere Maus durch das Blut ihres Artgenossen auch im Kopf jünger wurde.

    Mit Molekülen gegen den Abbau

    Die Forscher fanden aber noch etwas anderes im Blut der Mäuse, das bei einer Frischzellenkur eine große Bedeutung hat, und zwar Beta-2-Mikroglobin. Bei den jungen Mäusen wurde das Beta-2-Mikroglobin in erhöhten Mengen verabreicht und das führte zum Abbau der geistigen Fähigkeiten. Die Tiere blieben körperlich gesund und auch agil, aber sie hatten plötzlich sehr große Schwierigkeiten, sich in einem vertrauten Raum zu orientieren und konnten sich auch neu gelernte Dinge nicht mehr merken. Die amerikanischen Wissenschaftler gehen jetzt davon aus, dass es Menschen gibt, die von Natur aus zu wenig Beta-2-Mikroglobin haben und deshalb die Leistung des Gehirns schneller nachlässt als bei denjenigen, die ausreichend davon haben.

    Eine Frischzellenkur der Zukunft kann so aussehen, dass diejenigen, die zu wenig Beta-2-Mikroglobin haben, auf geistiger Ebene mehr erreichen können, wenn sie das Blut bekommen, das mit Beta-2-Mikroglobin angereichert ist. Ob und wann es eine solche Frischzellenkur gibt, das steht allerdings noch lange nicht fest.

    Bild: © Depositphotos.com / Goodluz

  • Reisekrankheit – gibt es bald ein neues Mittel?

    Reisekrankheit – gibt es bald ein neues Mittel?

    Reisen erweitert den Horizont, man lernt neue Kulturen und neue Menschen kennen, und nicht zu vergessen, Reisen macht auch viel Spaß. Viele Menschen, die gerne reisen, müssen aber mit der sogenannten Reisekrankheit leben. Wenn der Fernbus in die Kurve geht, das Flugzeug ein wenig schlingert oder das Schiff auf allzu hohen Wellen reitet, dann steht den Betroffenen der kalte Schweiß auf der Stirn, es kommt zu Übelkeit und nicht selten auch zum Erbrechen. Reisekrankheit heißt dann die Diagnose. Gegen diese Krankheit ist leider noch kein Kraut gewachsen, oder doch? Neue Studien machen Hoffnung darauf, dass es bald ein wirksames Medikament gegen Reisekrankheit gibt.

    Die Sinne wirbeln durcheinander

    Warum es zur Reisekrankheit kommt, das haben Wissenschaftler jetzt entschlüsselt. Während einer Reise werden alle Sinne tüchtig durcheinander gewirbelt und das Gehirn versucht, die Sinne wieder zusammenzubringen. Das gelingt nicht, denn die Reisegeschwindigkeit sorgt dafür, dass Zeit und Raum im Gehirn ein vollkommen sinnloses Bild projizieren, das nicht mehr zusammengesetzt werden kann. Was das Gehirn vollkommen durcheinanderbringt, ist, dass die Bewegungen nicht selbst produziert werden, denn die Muskulatur ruht sich aus, trotzdem rauscht die Welt schnell vorbei. Fahren ein Bus oder ein Auto um die Kurve, dann erzeugt das im Gehirn Vibrationen und Erschütterungen, die etwas vortäuschen, was gar nicht vorhanden ist. Da das jedoch nicht immer verarbeitet werden kann, kommt es zur Reisekrankheit. Die Unfähigkeit des Hirns, die Eindrücke zuordnen zu können, setzt dann Histamine frei und die führen zu Erbrechen und Übelkeit.

    Können Medikamente helfen?

    In den Apotheken können alle, die unter der Reisekrankheit leiden, Medikamente kaufen, aber diese Antihistaminika bekämpfen lediglich die Symptome der Reisekrankheit, nicht aber ihre Ursache. Die Mittel bewirken, dass der Körper weniger Histamine ausschüttet und dass den Betroffenen nicht mehr so schnell übel wird, dafür werden sie schläfrig. Viele haben nach der Einnahme der meist rezeptfrei erhältlichen Mittel gegen Reise schon einen Segeltörn oder sogar eine Kreuzfahrt im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen. Einige Forscher haben es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, ein Mittel gegen Reisekrankheit zu finden, das nicht müde macht. Die Wissenschaftler des Imperial College in London haben über ihre Versuche eine Studie veröffentlicht.

    Wie hilfreich ist eine Hirnstimulation?

    Für die Studie mussten die Probanden auf einem beweglichen Stuhl Platz nehmen, der die typischen Bewegungen nachahmt, die bei einer Reise im Bus, auf dem Schiff oder im Flugzeug entstehen. Saßen die Studienteilnehmer einfach nur so auf dem Stuhl, kam es bei den meisten zu Symptomen der Reisekrankheit. Wurden sie aber von Kopf bis Fuß auf dem Stuhl festgeschnallt, dann klagten nur noch wenige darüber, dass ihnen schlecht wird. Die Erklärung der Forscher war: Das Gehirn musste nicht mehr so viel arbeiten und in der Folge wurden auch keine Histamine mehr ausgeschüttet, die Stressreaktionen verschwanden. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass innerhalb von fünf Jahren eine Möglichkeit gefunden wird, die die Reisekrankheit besiegt. Möglich wären zum Beispiel kleine Elektroden, die am Kopf befestigt werden und über das Mobiltelefon funktionieren. Über diese Elektroden wird das Gehirn stimuliert und die Symptome der Reisekrankheit werden deutlich verringert.

    Bild: © Depositphotos.com / ftlaudgirl

  • Allergien – warum Stadtkinder gefährdeter sind als Landkinder

    Allergien – warum Stadtkinder gefährdeter sind als Landkinder

    Immer mehr Menschen leiden unter Allergien und auch vor Kindern macht eine Allergie nicht halt. Während sich die meisten Erwachsenen mit ihrer Allergie engagieren, macht ein Heuschnupfen oder eine Lebensmittelallergie Kindern oft schwer zu schaffen. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass Kinder, die auf dem Land aufwachsen, seltener unter Allergien leiden als ihre Altersgenossen, die in der Stadt zu Hause sind. Wissenschaftler vermuten, dass die Landkinder ein besser trainiertes Immunsystem haben, aber für die Immunität der Landkinder können auch bestimmte Bakterien und ein Enzym verantwortlich sein.

    Landleben ist gesund

    Kinder, die in ländlichen Regionen oder auf einem Bauernhof aufwachsen, haben nicht nur eine unbeschwerte Kindheit, sie bekommen auch deutlich seltener Allergien. Forscher haben diese Tatsache jetzt einmal näher betrachtet und sind zu dem Schluss gekommen, dass die sogenannten Endotoxine dabei eine wichtige Rolle spielen. Bei Endotoxinen handelt es sich um von Bakterien freigesetzte Verbindungen, die vom Menschen immer über die Schleimhäute, zum Beispiel im Mund, aufgenommen werden. Es wurden zahlreiche Versuche mit Mäusen gemacht und diese Versuche haben gezeigt, dass wenn die entsprechenden Substanzen täglich aufgenommen werden, sie weniger auf allergieauslösende Stoffe reagieren. Zuständig für den schützenden Effekt ist das Enzym A20, das unter anderem auch die Entzündungsreaktionen im Körper maßgeblich beeinflusst. Kinder, die auf dem Land mit Tieren leben, atmen automatisch über den Staub im Stall oder auf dem Hof viel mehr Bakterien- und Pilzpartikel ein, die allergiemindernd sind. Das trifft besonders auf die Mikroben zu, die Kühe ausatmen.

    Wie eine Impfung

    Aber nicht nur Staubpartikel in der Landluft machen Kinder immun gegen Allergien, auch andere Endotoxine helfen aktiv dabei, die Auslöser einer Allergie abzuwehren. Versuche mit Mäusen haben gezeigt, dass schon kleine Dosen ausreichen, um das Immunsystem auf Trab zu bringen und allergieauslösende Eindringlinge erfolgreich zu bekämpfen. Die Landluft wirkt praktisch wie eine Impfung für den Körper, denn Studien haben jetzt gezeigt, dass die Wirkung der Enzyme auch dann noch anhält, wenn aus den Kindern erwachsene Menschen geworden sind.

    Ein ausgeglichenes Immunsystem

    Nur ein wirklich ausgeglichenes Immunsystem ist ein Garant dafür, dass es nicht zu Allergien kommt. Kinder, die in einer Großstadt wohnen, leben damit, dass ihr Immunsystem ständig auf Hochtouren läuft. Es gibt Unmengen von schädlichen Stoffen in der Luft, mit denen das Immunsystem immer wieder aufs Neue fertig werden muss. Das führt früher oder später dazu, dass das Immunsystem kapituliert und es zu einer Allergie kommt, also zu einer Erkrankung, mit der der Körper nicht mehr fertig wird und gegen die er nicht mehr ankämpfen kann. Kinder, die auf dem Land leben, sind weitaus weniger schädlichen Stoffen in der Luft ausgesetzt, die Luftqualität ist deutlich besser und das wirkt sich auch auf das Immunsystem aus. Es kann sich auf Dauer stabilisieren, wird ausgeglichen und die Gefahr, an Allergien zu erkranken, nimmt immer weiter ab. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die unter einer Allergie leiden und dann einen Urlaub auf dem Land machen, mit weniger heftigen Allergieattacken zu kämpfen haben. Auch wenn die Allergie nicht ganz verschwindet, auf dem Land können Kinder damit besser leben.

    Bild: © Depositphotos.com / imagepointfr

  • Leberschäden durch Paracetamol / Viele Lebertransplantationen sind nötig wegen überhöhtem Schmerzmittel-Gebrauch

    Baierbrunn (ots) – Viele Menschen unterschätzen die Risiken rezeptfreier Schmerzmittel. Ein Zuviel davon kann unter anderem Gift für die Leber sein. Wie die „Apotheken Umschau“ berichtet, haben französische Forscher 114 Fälle von Lebertransplantationen untersucht, bei denen das Organ durch Arzneimittel zerstört worden waren. In 111 Fällen war eine Überdosis des frei verkäuflichen Schmerzmittels Paracetamol die Ursache. Die Wissenschaftler raten, die Packungsgröße rezeptfreier Paracetamol-Präparate auf maximal acht Gramm Wirkstoff zu reduzieren. In Deutschland dürfen rezeptfreie Präparate seit 2009 höchstens zehn Gramm enthalten.

    Dieser Text ist nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

    Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ 9/2015 A liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

    Pressekontakt: Ruth Pirhalla Tel. 089 / 744 33 123 Fax 089 / 744 33 459 E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de www.wortundbildverlag.de www.apotheken-umschau.de

    Quelle: http://www.presseportal.de/pm/52678/3110619